Debatte um Bonus für Astrazeneca-Geimpfte

von Redaktion

Sachsen schlägt Lockerungen vor – Bayern: „Nicht unvorsichtig oder fahrlässig werden“

München – Die Realität hat zwei Seiten: 3000 Impfwillige, die teils ab frühmorgens Schlange stehen für eine Sonderaktion mit Astrazeneca in Ebersberg. Und Astrazeneca-Termine, die anderswo wie Sauerbier angeboten und sogar via Internet verscherbelt werden. Beides ist so geschehen im Mai – und für die Politik, die das Impfen organisieren soll, eine enorme Herausforderung. Wie geht es weiter mit diesem Stoff?

Die regionalen Unterschiede in der Akzeptanz sind immens – Auslöser sind Berichte über Thrombosen. Im Osten wird nun der Ruf laut, gezielt mit Sonderregeln für Astrazeneca-Geimpfte zu locken. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will ein schnelles Lockern der Corona-Regeln. „Wer mit Astrazeneca geimpft wird, sollte schon drei Wochen nach der ersten Dosis mehr Freiheiten bekommen“, sagte er der „Funke Mediengruppe“. Derzeit gilt bundesweit für jedes Präparat: zweite Dosis plus 14 Tage.

Studien unter anderem in Italien deuten an, dass der Schutz nach der ersten Dosis vergleichsweise hoch ist. Kretschmer hat zudem einen Kronzeugen in Wien. Österreich erlaubt für alle Impfstoffe schon ab Tag 22 nach dem Erst-Pieks eine Lockerung. Die Teilgeimpften dürfen Gastronomie, Kulturveranstaltungen und Hotels ohne Test besuchen. Das gilt bis drei Monate nach der ersten Impfung – damit ein Anreiz für die zweite Impfung bleibt.

Wäre ein Extra-Astra-Vorteil auch ein Modell für Bayern? Dort verfolgt man die Vorstöße sehr skeptisch. Die Staatskanzlei lehnt das österreichische Vorgehen deutlich ab. Nun sagt auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) über den sächsischen Plan, man dürfe „nicht unvorsichtig oder gar fahrlässig werden“. Der vollständige Impfschutz stelle sich erst zwei Wochen nach der zweiten Dosis ein. „Vor diesem Hintergrund halte ich weitere Lockerungen für Geimpfte schon drei Wochen nach der Erstimpfung für gefährlich und warne davor“, sagte Holetschek am Sonntag unserer Zeitung. Er mahnt „verständliche und einheitliche Regeln“ an: „Wenn bei jedem Impfstoff etwas anderes gilt, kann das bald kein Bürger mehr nachvollziehen.“

Dass es kleine Lock-Tricks für Astrazeneca gibt, ist indes Bayern nicht ganz fremd. So wurde für diesen Impfstoff als erstes die Priorisierung in Arztpraxen aufgehoben, für Biontech und Moderna folgt das erst in diesen Tagen. Zudem erlaubt die Staatsregierung, die Zeitspanne bis zur Zweitimpfung auf vier Wochen (statt zwölf) zu kürzen. In der CSU gibt es einflussreiche Herren, die vor einer „Schwemme“ an Astrazeneca schon im Mai warnen. Holetschek sieht hier keinen Handlungsbedarf. Viele Menschen würden Astrazeneca „gerne nehmen“, sagt er – und zeigt etwa nach Ebersberg.

Insgesamt steigt die Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Das geht aus einer YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa hervor. Danach wollen sich fast drei Viertel der Deutschen über 18 immunisieren lassen. 36 Prozent haben sich mindestens einmal impfen lassen, weitere 38 Prozent haben das vor. Ende 2020 hatten sich erst 65 Prozent fürs Impfen entschieden. Der Anteil der Unentschlossenen ist von 16 auf 11 Prozent gesunken.   C. DEUTSCHLÄNDER

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