Ökumenischer Kirchentag

Zukunft gibt es nur gemeinsam

von Redaktion

CLAUDIA MÖLLERS

Gemeinschaft erleben, leidenschaftlich streiten, das spontane Gespräch am Rande einer Podiumsdiskussion mit einem Kirchenvertreter, zusammen singen, beten, feiern – Kirchentage leben von Begegnung. So wie Glauben nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern auch zum Nächsten benötigt. Insofern konnte ein digitaler Ökumenischer Kirchentag nur ein trauriger Ersatz sein für ein Treffen in Präsenz. Dass die katholische und die evangelische Kirche den Schritt ins Netz trotzdem wagen mussten, war alternativlos. Nur so können sie im Gespräch bleiben. Wie leidenschaftlich diskutiert wird, davon gab der Kirchentag ein beredtes Zeichen: Corona, Klimakrise, Kampf gegen Rassismus, die Machtfrage in den Kirchen und die Pannen bei der Missbrauchsaufarbeitung bringen die Menschen auch digital in Wallung.

Doch das Christentreffen wird auch in Erinnerung bleiben als wichtige Wegmarke in der Ökumene. In verschiedenen Gottesdiensten haben sich die Veranstalter wechselseitig zu Eucharistie und Abendmahl eingeladen. Sie haben – mit dem Segen des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing – die Teilnahme zur Gewissensentscheidung gemacht, obwohl sich der Vatikan klar dagegen ausgesprochen hatte. Viele Gläubige im Land der Reformation verstehen die Spaltung nicht. Sie sind davon überzeugt, dass die Zukunft der Kirchen in der Ökumene liegt und leben sie längst. Dass sich immer mehr katholische Amtsträger dem öffnen, ist ein Hoffnungszeichen, das von diesem Kirchentag ausstrahlt.

Claudia.Moellers@ovb.net

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