München – Vielleicht sind das die freundlichsten Worte, die diese beiden Herren seit Wochen miteinander gewechselt haben. „Wir werden das schon irgendwie rocken“, sagt Markus Söder am Ende in den Fernseher hinein. „Danke Dir. Und servus“, sagt Armin Laschet aus dem Fernseher heraus. Mehr Zuneigung geht im Moment nicht zwischen dem CSU- und dem CDU-Chef, aber dass sie überhaupt mal wieder reden, ist ja schon ein Gewinn. Für zehn Minuten schaltet sich Laschet am Donnerstagabend zur Auftaktkonferenz der CSU hinzu, Start der Arbeit fürs Wahlprogramm der Union.
Man sollte da nicht ein Ende der Hakeleien hineindeuten, dazu sind die Wunden aus der Kanzlerkandidaten-Debatte zu frisch. An ungeraden Tagen gibt Söder ja Interviews mit Spitzen auf Laschet. Besonders gern legt er das Wahlergebnis im Herbst, nach Lage der Dinge mau, in die volle Verantwortung des Kanzlerkandidaten: „Die Personen ziehen die Parteien und nicht umgekehrt“, sagte Söder diese Woche. An geraden Tagen dann, gestern also, sagt er Laschet die volle Unterstützung der CSU zu. Und hat vor sich eine Tasse mit der Aufschrift: „Alles wird gut.“
Inhaltlich sind die Differenzen gar nicht so groß, das zeigt auch Laschet bei seiner Zuschaltung aus Aachen. Er sagt gar nicht mehr viel anderes als Söder, rudert dabei nur etwas runder mit den Armen. Der NRW-Regent warnt, dass sich die Union nicht auf einen Merkel-Bonus verlassen könne. „Diese Bundestagswahl wird am Ende nicht entschieden über die Frage: Waren es 16 gute Jahre?“, sagt er. Laschet betont die Notwendigkeit von Klimaschutz, aber wie die CSU auch will er den Wohlstand nicht komplett unterordnen. „Autoindustrie, Stahl, chemische Industrie“ zählt er auf. Und: Beide Parteichefs grenzen sich scharf von den Grünen ab. Laschet malt vor allem das Schreckgespenst eines Linksbündnisses an die Wand, „dann verlieren wir alle Chancen im eigenen Land und international“. Söder spottet über den „Ansatz, dass die Grünen über das Wasser laufen können“. Denn „Bäume fällen, Straßen teeren, Diesel fahren – das tun auch die Grünen“. Er erstreckt seine Warnungen aber ausdrücklich auch auf eine Ampelkoalition. Söder schließt auch „jede Form von Steuererhöhungen“ aus.
Die Unionsparteien wollen nun ihr Programm entwickeln. In der CSU tagen in den Pfingstferien Fachforen zu den wichtigsten Themen. Auch die CDU plant ihrerseits in den Landesverbänden Programmkonferenzen. Am 20. und 21. Juni treffen sich die Präsidien beider Parteien in Berlin und bündeln das. Wie genau, ist offen. Laschet tippt Digitalisierung und eine modernere Verwaltung („nicht mehr so viele Faxe“) an. Söder will für die Ausweitung der Mütterrente kämpfen und für eine auf Dauer niedrigere Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Ob im gemeinsamen Programm oder in den parallel geplanten CSU-Zusatzforderungen, ist offen.
Kurz nach der Programm-Tagung wird die CSU dann ihre Liste aufstellen. Für 26. Juni ist ein Fußballstadion in Nürnberg gebucht, um die Kandidaten zu reihen; vermutlich mit Alexander Dobrindt an der Spitze und anschließend paritätisch im Reißverschlussverfahren besetzt. CHR. DEUTSCHLÄNDER