Bayern blüht auf, wenn heute Tourismus, Freizeit und Sport aus dem Dämmerschlaf geholt werden. Ja: Endlich! Dieser Kurs ist verantwortbar bei klar sinkenden Infektionszahlen, vor allem mit Blick auf die Familien als meist tapfere Träger einer Hauptlast dieser Corona-Monate. Und er ist eh kaum zu verhindern wegen des doppelten Drucks aus Wien (Österreich öffnet alles und nimmt’s mit dem Impfen nicht so streng) und Berlin (kippt bundesweit die Quarantäneregeln).
Der Rückweg Richtung Normalität ist also richtig. Gefahrlos ist er nicht. Schon gar nicht, wenn ausnahmslos jeder Lobbyverband posaunt, dass seine Branche die allersicherste sei. Corona ist eben nicht vorbei. Vorbei ist nur die extreme Phase, in der der Staat jede Minute auf der Parkbank reguliert hat. Mehr Kontakte und gelockerte Regeln haben eine logische Folge: Der Einzelne muss noch mehr achtgeben. Vor allem, weil weit über die Hälfte der Menschen noch nicht mal die Chance zur Erstimpfung hatte.
Die Tourismus-Regeln haben Lücken, blinde Flecke. Sie funktionieren, anders als Schließung oder Ausgangssperre, oft nur mit Verständnis und Akzeptanz. Schnelltests alle 48 Stunden, Impfheft, Hygienekonzept – das wird, Hand aufs Herz, selten kontrolliert werden. Pfingsten ist deshalb eher ein neuer Probelauf, wie effektiv Eigenverantwortung und Rücksicht greifen in der Endphase einer Pandemie. Hochschnellende Inzidenzen und sorgloses Gedränge in Urlaubsregionen wären ein trauriger Rückfall, kein gutes Vorzeichen für diesen Sommer. Deshalb: Reist! Genießt! Erlebt! Aber bleibt’s vernünftig, Leute.
Christian.Deutschlaender@ovb.net