London – Nach verheerenden Aussagen des Ex-Chefberaters von Boris Johnson über die Corona-Strategie der britischen Regierung hat sich der Premierminister gegen die Vorwürfe verteidigt. „Einige der Kommentare, die ich gehört habe, haben nichts mit der Realität zu tun“, sagte Johnson gestern vor Reportern. Ex-Chefberater Dominic Cummings hatte Johnsons Kabinett am Vortag bei einer Ausschussanhörung „katastrophale“ Versäumnisse in der Corona-Pandemie vorgeworfen. Besonders schlecht kam Gesundheitsminister Matt Hancock weg, der vor dem Parlament Fehler bestritt.
Auf die zentrale Behauptung von Cummings angesprochen, dass im vergangenen Jahr zehntausende Menschen unnötig gestorben seien, sagte Johnson: „Nein, nein, das glaube ich nicht.“ Natürlich habe es „eine unglaublich schwierige Reihe von Entscheidungen gegeben, von denen wir keine leichtfertig getroffen haben“. Johnson bestand darauf, alles getan zu haben, um Leben zu retten.
Zuvor hatte sich bereits Gesundheitsminister Matt Hancock vor den Abgeordneten des Unterhauses gegen Cummings’ Vorwurf der Lüge gewehrt. „Ich war immer ehrlich zu den Menschen, in der Öffentlichkeit und im Privaten, jeden Tag“ seit Beginn der Pandemie, sagte Hancock. Es gebe „mindestens 15 oder 20“ Gründe, Hancock zu „feuern“, hatte Cummings am Vortag gesagt. Er habe sowohl im Kabinett als auch öffentlich mehrfach gelogen.
Der Gesundheitsminister hingegen erhielt Rückendeckung von Kollegen, darunter Staatssekretär Michael Gove. Hancock habe „einen großartigen Job“ gemacht.
Cummings hatte bei seiner Abrechnung der Regierung Versagen vorgeworfen und sich für sein eigenes Fehlverhalten entschuldigt.