Vor fünf Jahren geißelte der Deutsche Bundestag den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich – ein Genozid, den die türkische Regierung nicht anerkennen will. Wenn die Bundesregierung den Anspruch erhebt, ehrlicher mit ihrer Vergangenheit umzugehen als ein Erdogan, dann konnte sie die Forderungen der Herero und Nama nicht länger ignorieren.
Generalleutnant Lothar von Trotha hatte im damaligen Deutsch-Südwestafrika erklärtermaßen das Ziel, die aufständischen Völker nicht nur zu besiegen, sondern auszulöschen – auch, indem er Frauen und Kinder in der Wüste verdursten ließ. Historiker sind sich schon lange weitgehend einig, dass das damalige Unrecht des deutschen Kolonialreichs ein Völkermord war. Dass sich Deutschland trotzdem so lange schwer damit tat, dies anzuerkennen, liegt auch daran, dass die Sorge vor einem Präzedenzfall für weitere Wiedergutmachungs-Forderungen (etwa von Griechenland für Gräuel des Zweiten Weltkriegs) groß ist. Denn natürlich geht es hier nicht nur um Moral, sondern auch um Geld. Umso wichtiger ist es, dass die Entschädigungszahlungen wirklich bei den Nachkommen der Überlebenden ankommen – und nicht, wie viele von ihnen fürchten, im namibischen Regierungsapparat versickern. An den ablehnenden Reaktionen der Herero zeigt sich, dass es ein Fehler war, sie nicht besser in die Verhandlungen einzubinden.
Klaus.Rimpel@ovb.net