Laschets letzter Testlauf

von Redaktion

VON MARCUS MÄCKLER

München – Zwei Männer im Anzug, auf den Köpfen gelbe Schutzhelme, hinter ihnen schwere, silbrig schimmernde Tanks. Es war eine seltsam triste Kulisse, vor der sich der sonst so bildsensible Markus Söder unlängst fotografieren ließ. Eigentlich mag er es grün im Hintergrund. Doch statt Bäumen, Mooren, Bergen reckte sich hinter ihm und dem Kollegen Haseloff eine graue Chemiefabrik in den wolkigen Ost-Himmel.

Der Besuch des Bayern im Städtchen Leuna vor einer Woche hatte inhaltlich nicht rasend viel zu bieten, dafür aber Symbolwert. Es ist kein Geheimnis, dass Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gerne ihn, also Söder, als Kanzlerkandidaten der Union gesehen hätte. Aber es kam anders. Nun nähert sich die Landtagswahl, die letzte vor der Bundestagswahl. Ausgerechnet von hier soll ein Schub für den Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet ausgehen.

Das gilt umso mehr, als die jüngsten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aus CDU-Sicht ein kleines Desaster waren. Demoskopen rechnen zwar nicht mit einem vergleichbaren Absturz in Sachsen-Anhalt. Aber die Umfragen variieren stark. In einer Insa-Befragung für die „Bild“ lag zuletzt etwa die AfD knapp vor der Union. Das ZDF-Politbarometer vom Freitag sieht aber die Christdemokraten mit 29 Prozent klar vor der AfD, die auf 23 Prozent käme.

Haseloffs Landesverband gehört zu den widerspenstigen, zumindest aus Berliner Sicht. Für manche CDUler ist die AfD nicht das rote Tuch, das sie aus Hauptstadtsicht sein sollte. Das wurde zuletzt im Streit um die Erhöhung der Rundfunkgebühren deutlich. Teile der Fraktion nahmen in der Frage ein gemeinsames Veto mit der AfD in Kauf. Der damalige Innenminister und CDU-Chef Holger Stahlknecht musste gehen, nachdem er ohne Absprache mit Haseloff über eine CDU-Minderheitsregierung spekuliert hatte – die nur mit Unterstützung der AfD funktioniert hätte. Haseloff konnte das Ende der schwarz-rot-grünen Koalition gerade so verhindern.

Um jeden Verdacht zu zerstreuen, ist er seither um maximale Abgrenzung bemüht. Der „Zeit“ sagte er: „Es geht nicht mit der AfD. Wer im Juni CDU wählt, kann darauf vertrauen.“ Das sind Sätze, die in Berlin gefallen. Vize-CDU-Chefin Silvia Breher sprach Anfang der Woche von einer „Brandmauer“ gegen die AfD, die stehe.

Für Haseloff bedeutet das allerdings, dass es wieder auf ein Dreierbündnis hinauslaufen dürfte, womöglich auf eine Neuauflage der jetzigen Kenia-Koalition. Schon vor fünf Jahren fanden CDU. SPD und Grüne nur aus der Not zusammen, als Zweckbündnis gegen die starke AfD. Über diesen Status kamen die Koalitionäre bislang nicht hinaus, vor allem zwischen CDU und Grünen hakte es oft. SPD-Fraktionschefin Katja Pähle nannte die gemeinsame Regierungszeit eine „Rekordleistung im Krötenschlucken“. Haseloff sagte kürzlich ungerührt, Kenia sei „eine Option, die funktioniert“.

Auch andere Optionen sind denkbar, vorausgesetzt, die FDP schafft es zurück in den Landtag. Danach sieht es aus. Laut ZDF steht sie aktuell bei starken acht Prozent, nur einen Punkt hinter den Grünen. Möglich, dass die CDU zumindest einen der Koalitionspartner zugunsten der Liberalen austauscht.

Armin Laschet könnte wohl mit allem leben, solange sich das Wahlergebnis irgendwie als Erfolg für die CDU auslegen lässt. Aber was, wenn nicht? In der CSU hofft der eine oder andere Söder-Fan, dass es nach einem mäßigen (oder schlechten) Ergebnis doch noch mal Diskussionen über den Kanzler-Kandidaten geben könnte. Das ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Laschet will deshalb nichts unversucht lassen, um dem Wahlkampf noch mal Feuer zu geben. Am Freitag tat er es Söder gleich und reiste nach Sachsen-Anhalt, allerdings nicht in den Chemie-Standort Leuna, sondern ins malerische Dessau. Dort besuchten er und Haseloff neben dem Städtischen Klinikum auch das schicke, gläserne Bauhaus Museum am Stadtpark. Das wäre auch eine Kulisse für den Bayern Söder gewesen. Eigentlich.

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