SEBASTIAN HORSCH
Zumindest in einem Punkt hinterlässt der Bund-Länder-Gipfel Gewissheit. Während Fragen zum weiteren Verlauf der Impfkampagne oder auch zum digitalen Impfpass offen blieben, wurde glasklar: Eine eigene Impfaktion für Kinder und Jugendliche gibt es vorerst nicht.
Das mag für einige enttäuschend sein. Denn zwar dürfen sich Kinder ab 12 Jahren demnächst um einen Impftermin bemühen, das heißt aber nicht, dass sie auch einen bekommen. Die Wartelisten der Ärzte sind lang, und gesunde Minderjährige dürften meist ganz hinten landen. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob eine große Impfaktion für Schüler jetzt überhaupt sinnvoll gewesen wäre – selbst wenn es zusätzlichen Impfstoff dafür gäbe. Denn das Risiko eines schweren Covid-Verlaufs ist für Kinder (ohne Vorerkrankung) sehr gering. Gleichzeitig gibt es noch recht wenige Daten über geimpfte Minderjährige. Und spätestens sobald die Erwachsenen (speziell Lehrer) weitgehend durchgeimpft sind, dürfte der Schulbetrieb auch dann sicher möglich sein, wenn noch nicht die ganze Klasse zwei Stempel im gelben Heftchen hat.
Nicht nur hier ist es nun aber an der Zeit, konkret aufzuzeigen, wie der schrittweise Ausstieg aus den Lockdown-Maßnahmen aussehen soll. Die Gastronomie, Hotels, Theater, kommerzielle wie private Veranstalter – sie alle können kaum planen, weil es keinen Fahrplan gibt. Stattdessen bestehen teils widersprüchliche Regeln, von denen niemand genau weiß, ob sie bis nächste Woche oder noch im Herbst gelten sollen. Vorbehaltlich fortschreitender Impfungen und sinkender Gefahr muss die Politik deshalb endlich klare Perspektiven schaffen.
Sebastian.Horsch@ovb.net