Berlin/München – Neulich war Markus Söder noch im Wahlkampf im Osten, am Ende seines Auftritts in Leuna bekam er ein denkwürdiges Geschenk. Die Ehrenmedaille des Landes Sachsen-Anhalt ermöglicht ihm freien Zutritt in viele Sehenswürdigkeiten des Landes. „Komme ich damit überall hin?“, fragte Söder erstaunt. „Du kommst damit sogar überall kostenlos rein“, erklärte ihm Ministerpräsident Reiner Haseloff.
Wer wollte, durfte viel reindeuten in diesen Wortwechsel, aufgeschnappt von einem Bild-Reporter. Öffnet die Sachsen-Anhalt-Wahl wirklich neue Türen für Söder? Vielleicht doch wieder eine in Berlin? Lange hielt sich die Spekulation, ein CDU-Desaster im Osten, ein Triumph der AfD, werde die Union nochmal an ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet zweifeln lassen; gut drei Monate vor der Bundestagswahl. Doch nun ist klar: Das wird so nicht passieren. Haseloff mag Söder-Fan sein, sich für den CSU-Chef als Kanzlerkandidaten ausgesprochen haben – doch der Sprung der CDU am Wahlabend auf weit über 30 Prozent und Haseloffs sicherer Verbleib im Amt werden aus bundespolitischer Sicht Laschet gutgeschrieben.
Führende CDUler bemühen sich sofort nach 18 Uhr, diese Deutung zu verbreiten. „Das ist eine eindrucksvolle Bestätigung auch für unseren Kanzlerkandidaten Armin Laschet“, verbreitet Friedrich Merz noch am Abend. Natürlich sei auch Söder im Wahlkampf des Landes präsent gewesen, sagt Unionsfraktions-chef Ralph Brinkhaus, aber auch er spricht von einem „Sieg von Armin Laschet“. Die Landtagswahl habe gezeigt, dass die CDU auch unter Laschet „regierungsfähig“ sei. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bemüht erleichtert den Vergleich, das sei der größte Zuwachs der CDU bei einer Landtagswahl seit Laschets Wahl in NRW 2017 gewesen. Eine entspannte Corona-Lage, auch Fortschritt beim Impfen, wird in der CDU zudem als positiver Faktor eingeordnet.
Die CSU-Spitze deutet den Erfolg freilich in Nuancen anders. Haseloff habe die Wahl aus eigener Kraft gewonnen, sagt Generalsekretär Markus Blume unserer Zeitung, setzt aber voran: „Markus Söder hat im Wahlkampf mit angeschoben.“ Zudem betont Blume: Wieder habe sich „gezeigt, dass es auf den Spitzenkandidaten ankommt“.
Überrascht sind CDU und CSU beide über das Ausmaß des Erfolgs. Die Prognosen der Vortage waren düsterer, bis hin zu einem knappen Sieg der AfD. „Das Land hat sich regelrecht aufgebäumt“, sagt Wahlsieger Haseloff.
Die Vorstände von CDU und CSU analysieren heute das Ergebnis. Vor allem beraten sie, ob ein Verschärfen am rechten Rand nötig ist, auch intern. Gegenüber der AfD ist wohl kein Nachsteuern in Sicht. Die harte Abgrenzung soll bleiben, sagte CSU-General Blume klar. „Unser Kurs der Null-Toleranz gegen Rechtsradikale und Extreme hat sich bestätigt.“
Offen ist, wie sich die Union mit dem inneren rechten Rand beschäftigt. Die Debatten um die nicht als Parteigliederung anerkannte Werteunion und um Hans-Georg Maaßen flammen wieder auf. Der Thüringer Bundestagskandidat legte am Samstag mit einem Tweet über Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock nach. Aus den Anfangsbuchstaben ihrer vier Vornamen ließen ließen sich Beleidigungen über die Polizei („ACAB“) bilden. Die CDU-Spitze empfindet diese Äußerung als sonderlich, Ziemiak sogar als „unsäglich“. In der CSU wird das als Problem der Schwesterpartei verstanden. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER