GEORG ANASTASIADIS
Der vom Ost-Beauftragten der Bundesregierung befürchtete Untergang der Demokratie in den „diktatursozialisierten“ neuen Bundesländern ist abgesagt: Links- und vor allem Rechtsradikale haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht den befürchteten Durchmarsch angetreten. Im Gegenteil: Der Zenit der rechten Schreihälse scheint überschritten; ein Fiasko erlebten gar die Ex-Kommunisten. Zugelegt haben stattdessen die „Altparteien“, mit Ausnahme der ältesten unter ihnen, der SPD, deren Markenkern jenseits der Genderei sich den Wählern nicht mehr erschließt. Spektakulär der Erfolg der CDU: Sie deklassiert entgegen allen Unkenrufen im Magdeburger Landtag die dort besonders radikale „Alternative“. Deren Schlachtruf „Wir sind das Volk“ ist seit gestern mehr denn je eine schwer erträgliche demokratische Machtanmaßung.
Auch wenn der CDU-Triumph dem überaus populären CDU-Landesvater Reiner Haseloff gehört: Freuen darf sich auch der neue CDU-Chef Armin Laschet. Wie Haseloff schloss er jede Kooperation mit der AfD aus, machte aber zugleich klar, dass er, ganz anders als Merkel, um die Wähler der demokratischen Rechten wieder kämpfen will. Deshalb verbündet sich der liberale Laschet auch mit Wahlkämpfern wie Merz. Nicht um die CDU nach rechts zu rücken. Sondern um sie als Volkspartei wieder zu verbreitern. Anders als die Kanzlerin gibt Laschet den Osten nicht auf. In Sachsen-Anhalt ging diese Strategie auf.
So war es am Ende nicht Laschet, dessen Kanzlerkandidatur gestern eine harte Landung hinlegte. Auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden – nach Benzinpreisdebatte und den Fragezeichen um den geschönten Lebenslauf von Annalena Baerbock – vielmehr die grünen Höhenflieger. Geplatzt sind damit alle Münchner Blütenträume, die Union werde in letzter Minute doch noch nach dem Retter Söder rufen. Haseloff hätte ihn gern als Kandidaten gehabt. Doch weiß die CDU jetzt, dass sie auch ohne den schwarzen Riesen aus München siegen kann.
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