Tel Aviv – In Israel wächst nach der Einigung auf eine neue Regierung die Sorge vor Gewaltausbrüchen. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme warnte der Inlandsgeheimdienst vor Blutvergießen. „In letzter Zeit identifizieren wir eine Verstärkung und schlimme Radikalisierung aggressiver und hetzerischer Debatten, vor allem in sozialen Netzwerken“, sagte Schin-Bet-Chef Nadav Argaman am Samstag. Dies könne sich als Legitimierung von Gewalt und Blutvergießen auslegen lassen.
Mittlerweile erhält Naftali Bennett, Chef der ultrarechten Jamina-Partei, Personenschutz durch den Inlandsgeheimdienst. Bennett will den bisherigen Regierungschef Benjamin Netanjahu von der rechtskonservativen Likud-Partei ablösen. Dem noch amtierenden Premierminister war es nicht gelungen, nach der Parlamentswahl im März eine Regierung zu bilden. Deshalb erhielt Jair Lapid von der Zukunftspartei den Auftrag zur Regierungsbildung. Am Mittwoch verkündete Lapid, er habe sich mit Bennett und weiteren Parteien auf eine Koalition geeinigt. Diese deckt das gesamte politische Spektrum ab. Im Kabinett sollen sowohl eine ultrarechte, als auch linke sowie eine arabische Partei vertreten sein. Bennett soll Premier werden, Lapid soll ihn nach zwei Jahren ablösen.
Anhänger Netanjahus üben vor der für diese Woche erwarteten Parlamentsabstimmung über die neue Regierung massiven Druck aus. Sie versammelten sich vor Häusern von Abgeordneten. Die acht Parteien um Bennett haben nur eine knappe Mehrheit in der Knesset. Fehlt nur eine Stimme der neuen Koalition, bliebe Netanjahu im Amt. Der wehrte sich am Sonntag gegen den Vorwurf, zur Gewalt anzustacheln.