„Delta“ wohl 60 Prozent ansteckender

von Redaktion

Merkel: Wettlauf mit Impftempo – Bisher nur wenige Fälle in Bayern, aber Cluster in Pfaffenhofen

München/London – Die Gefahr ist noch nicht einzuschätzen, aber sie hat immerhin schon einen politisch korrekten Namen. „Delta“ heißt die Viren-Mutation B.1.617.2, die bisher als „indische Variante“ von Corona kursierte. Was leider noch nicht so klar ist: Wie gefährlich ist „Delta“, und wie weit verbreitet?

Bisher gibt es eine grobe Spanne an Daten. Das Robert-Koch-Institut nennt für die Bundesrepublik einen Anteil von 2,5 Prozent. Das klingt winzig, so begann die britische Variante B.117 – „Alpha“ – aber auch mal, sie macht inzwischen über 93 Prozent der Neuinfektionen aus.

Delta, im Oktober 2020 erstmals aufgefallen, wird genau beäugt, weil es eine hoch ansteckende Mutation ist. Die trotz hoher Impfquote plötzlich hochschnellenden Zahlen in Großbritannien sind dieser Mutante geschuldet. Die Gesundheitsbehörde Public Health England nennt eine „schätzungsweise 60 Prozent“ höhere Ansteckungsrate für andere Menschen in einem gemeinsamen Haushalt als bei Alpha. Außerdem soll sich Delta stärker als andere Varianten der Schutzwirkung der Impfstoffe entziehen können, besonders nach nur einer Impfdosis. Der Bund hat Großbritannien wieder mit strengen Einreise- und Quarantäneregeln bedacht.

Die deutsche Politik tut sich mit Delta schwer. Panik wollen Bund und Länder keinesfalls schüren, das passt auch nicht zu den massiven Lockerungen und den Hoffnungen auf einen entspannten Sommer. Gleichzeitig wird immer vernehmbarer gewarnt. „Wir sind im Grunde in einem Wettlauf mit dem Impfen“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, „jeden Tag wächst die Sorge“ wegen der Delta-Entwicklung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das an uns vorbei- zieht, ist überschaubar.“

Inzwischen gibt es auch Daten für Bayern. Schriftlich hatte die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann verlangt, „dringend“ Licht ins Delta-Dunkel zu bringen und die Daten regional auszuweisen. „Die Frage, wie schnell sich Delta auch bei uns ausbreitet, ist von zentraler Bedeutung für die weitere Corona-Strategie“, sagte sie.

Das ist am Freitagnachmittag geschehen. Demnach sind Delta-Fälle unter anderem in Augsburg Stadt und Land (28), in München (18) sowie in und um Nürnberg (25) aufgetaucht. Ein Cluster gab es in Pfaffenhofen (34). Rosenheim Stadt und Land meldeten 11 Fälle, Erding 7; weite Teile Oberbayerns ansonsten nur maximal ein bis zwei Fälle pro Landkreis.  cd

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