Parteitag der Grünen

Doch keine Radikalos

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Manchmal wächst sich eine kleine Krise zu einer großen aus. So hätte es auch den Grünen gehen können, die ja nicht nur mit einer angeschlagenen Kanzlerkandidatin in ihren Parteitag gingen, sondern auch mit einer in Teilen aufgewühlten, weil mit dem Realo-Kurs hadernden Basis. Es kam dann doch nicht so wild: Im Kampf um die Macht mag die Partei noch furchtbar unroutiniert sein – dennoch hat sie die Krisen-Dynamik vorerst gestoppt.

Das lag zum Einen an den Beschlüssen zum Wahlprogramm. Statt sich, wie manche fürchteten, ein radikaleres Profil zu geben, stützten die Delegierten auf wichtigen Feldern wie Klima- oder Steuerpolitik den moderaten Kurs der Parteispitze, der Zumutungen bereithält, ohne unzumutbar zu sein. Beispiel CO2-Preis: Ein abrupter Anstieg auf 80 oder mehr Euro pro Tonne, wie es manche Basis-Grüne wollten, wäre den Wählern kaum vermittelbar gewesen. Dass es nun bei 60 Euro bleibt, mag gerade die Aktivisten in der Partei stören, ist aber strategisch doppelt nützlich: Der Parteispitze bleibt weiterer Schaden erspart und die Grünen halten sich für ein Bündnis mit der Union im Spiel, statt ihr neue Angriffsfläche zu bieten. Zum anderen war auch das klare Wahl-Ergebnis für Annalena Baerbock ein wichtiges Signal. Wie angespannt sie nach den Fehlern der letzten Wochen war, ließ sich an ihrer vorsichtigen, arg phrasenlastigen Rede erkennen. Vielleicht wäre mit einem Kandidaten Habeck ja alles anders gekommen. Aber der Versuchung des späten Zweifels widerstehen die Delegierten. So viel Machtgespür haben die Grünen doch.

Wenn es mit den Kanzlerinnen-Träumen noch etwas werden soll, ist jetzt Konsolidierung angesagt. Mal so gesagt: Der Parteitag war nicht der schlechteste Auftakt dazu.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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