Trump gibt keine Ruhe

Im eisernen Griff

von Redaktion

MARC BEYER

Am Montag, seinem 75. Geburtstag, hat Donald Trump mal wieder eine Erklärung verbreitet. Es ist ein Sammelsurium aus wilden Vorwürfen und unbelegten Behauptungen, die Nato wird attackiert, der angebliche Wahlbetrug gegeißelt. So weit, so vorhersehbar.

Man hat sich diesseits des Atlantiks an die Tiraden gewöhnt, ist ein bisschen abgestumpft, hält ihn jetzt vielleicht für ein Auslaufmodell. Aber der Zwischenruf aus dem Off ist weit mehr als das Gezeter eines Mannes, der nicht loslassen kann. Auch ohne Präsidentenamt (und sein Sprachrohr Twitter) hat Trump die Republikaner eisern im Griff. Wer ihn unterstützt, wird seiner treuen Basis empfohlen; wer kritisiert, wird abserviert. Mindestens bis zu den Zwischenwahlen im Herbst 2022 wird das so gehen. Der Ausgang wird darüber entscheiden, ob die Partei sich doch noch zur Emanzipation durchringt.

Dass Trump seine Botschaft zwischen den diversen Gipfelterminen seines Nachfolgers platziert, kommt wenig überraschend. Er hantiert nicht nur mit alternativen Fakten, er verbreitet eine komplett alternative Regierungserklärung. Deshalb auch die regelmäßigen Spendenaufrufe. Die vage formulierte Aussicht, 2024 noch einmal zu kandidieren, ist sein politisches Lebenselixier. Noch mag man sich in Europa dieses Szenario kaum ausmalen. Belächeln sollte es aber niemand.

Marc.Beyer@ovb.net

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