Berlin – Ein Name taucht immer wieder auf in den Berichten über die deutsche Elitetruppe schlechthin. Erstmals gerät Philipp Sch., Feldwebel beim Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, im Jahr 2017 ins Licht der Öffentlichkeit. Medien berichten über eine Feier der 2. KSK-Kompanie, über einen Wettbewerb, bei dem Schweineköpfe geworfen und die Dienste einer Prostituierten als Preis ausgelobt werden, über rechtsradikale Rockmusik und das Zeigen des Hitlergrußes, auch durch Philipp Sch., der seit 2001 beim KSK ist.
Der Stabsfeldwebel ist auch in weitere Vorgänge verwickelt, die zuletzt sogar die Auflösung der Spezialeinheit möglich erscheinen ließen. Diese Option ist seit Dienstag vom Tisch. Es wird aber einen Führungswechsel geben.
Nach dem Schweinskopf-Vorfall ist Sch. auf dem Radar des militärischen Abschirmdienstes MAD. Der schaltet sich nach einem Hinweis sächsische Ermittler ein, die im Mai 2020 Munition und Sprengstoff aus KSK-Beständen sowie Nazi-Devotionalien auf dem Grundstück des Soldaten finden.
Markus Kreitmayr, seit 2018 Kommandeur des KSK, fordert seine Soldaten in einem Brandbrief auf, rechtsextreme Haltungen bei Kameraden nicht zu dulden. Zudem ordnet er an, dass KSK-Mitglieder, sollten sie Munition gehortet haben, diese straffrei abgeben können. Die lautstarke Kritik an dieser Amnestie bringt auch Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unter Druck. Sie hatte Kreitmayr 2019 mit einer Reform des in Verruf geratenen KSK beauftragt und erhöht nun ihrerseits den Druck. Mit „eisernem Besen“ wolle sie beim KSK durchkehren, auch weil mittlerweile Berichte über verbreiteten Rechtsextremismus aus der Einheit selbst kommen.
Kramp-Karrenbauer lässt die 2. Kompanie auflösen und setzt eine Arbeitsgruppe ein, die die Reformen bewerten soll. Vom Ergebnis macht sie den Fortbestand des KSK abhängig. Es geht auch um rechtswidrige Auftragsvergaben, um Personal-, Ausbildungs- und Materialmängel.
Anfang Juni 2021 stellt die Arbeitsgruppe fest, die Reformvorhaben seien zu 90 Prozent umgesetzt. An diesem Dienstag verkündet Kramp-Karrenbauer dann: Das KSK wird nicht aufgelöst. Denn „klar ist, dass wir die einzigartigen militärischen Fähigkeiten brauchen, die im KSK vorhanden sind“. Die Eliteeinheit wurde in den 1990er Jahren für Geiselbefreiungen, Aufklärungs- und Kampfeinsätze gegründet. Sie war auf dem Balkan und in Afghanistan im Einsatz.
Trotz des attestierten Reformerfolgs muss Kreitmayr gehen. In der Munitionsaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Strafvereitelung. Sein Nachfolger wird zum 1. September Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kontingentführer der letzten Bundeswehreinheiten in Afghanistan. Meyer war Panzerbataillons-Kommandeur und ab 2008 im Verteidigungsministerium und in Bundeswehrbehörden eingesetzt. 2015 leitete er die Projektgruppe Flüchtlingshilfe. 2018 übernahm er eine Panzerbrigade und wurde 2020 Kommandeur der Ausbildungsmission in Afghanistan.
Philipp Sch. erhielt im März 2021 wegen waffenrechtlicher Verstöße eine Bewährungsstrafe. Ein bundeswehrinternes Disziplinarverfahren steht aus. Laut einem Bericht des Bundeswehr-Generalinspekteurs waren seit 2017 etwa 50 KSK-Soldaten wegen Verdachts rechtsextremistischer Aktivitäten im Visier des MAD. Fünf wurden aus der Bundeswehr entlassen, 16 wurden versetzt oder haben das KSK verlassen. sr