Auch wenn sich manche Unionsfreunde in München noch immer schwertun, ihre Freude über die Aufholjagd des gemeinsamen Kanzlerkandidaten zu zeigen: Armin Laschet erweist sich 100 Tage vor der Bundestagswahl einmal mehr als Machtmaschine, die kleinere Hindernisse geräuschlos beiseiteschiebt und größere umstandslos überrollt. Wie sich das anfühlt, muss nach Friedrich Merz und Markus Söder gerade die von den Polit-Feuilletons voreilig gefeierte Grünen-Chefin Annalena Baerbock lernen: Ihre Popularitätskurve zeigt noch steiler nach unten als die 7-Tage-Corona-Inzidenz. Nach den anstrengenden Pandemie-Monaten steht vielen Wählern der Sinn nicht nach Abenteuern und weiterem Verzicht. Und niemand bedient die Sehnsucht nach wohltemperierter Normalität besser als Laschet, der Menschenfreund aus Aachen.
Auch die stille Hoffnung der Grünen, mit Hilfe der FDP und einer Ampelkoalition der Union das Kanzleramt noch vor der Nase wegschnappen zu können, dürfte am Ende zerplatzen wie eine Seifenblase: Die meisten ihrer Wähler würden den Liberalen und deren Chef Christian Lindner eine Wahl Baerbocks zur Kanzlerin nicht verzeihen, geschweige denn die von Grün-Rot geplanten Steuererhöhungen. Längst verfolgt man in der CDU-Zentrale ambitioniertere Ziele als nur die Verteidigung der Kanzlerschaft in einer schwarz-grünen Koalition. Wenn es gelingt, die Grünen bei der Wahl am 26. September unter 20 Prozent zu drücken und Laschets Wunschpartner FDP in eine dann notwendige Jamaika-Dreierkoalition zu holen, würde das sowohl den Gestaltungsanspruch der Grünen weiter stutzen als auch verhindern, dass sich die FDP in der Opposition zur bürgerlichen Alternative zur Union auswächst. Es läuft für Armin Laschet.
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