WOLFGANG HAUSKRECHT
Das war eine gehörige Bruchlandung, die Greenpeace in der Allianz Arena hingelegt hat. Wenn sich Aktivisten selber in Gefahr bringen, mag das ihre Sache sein, wenn es Unbeteiligte treffen kann, ist der Bogen überspannt. Die Notlandung knapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg ist noch mal gut gegangen und Greenpeace hat sich entschuldigt. Dabei darf es nicht bleiben. Die Umweltaktivisten müssen daraus ihre Lehren ziehen. Protest ist gut und wichtig und darf auch mal kreative Formen des zivilen Ungehorsams beinhalten. Die Gesundheit anderer gefährden darf er nicht.
Für den Profisport ist der Vorfall ein weiterer Fingerzeig für eine Entwicklung. Beim Sport geht es nicht mehr nur um Sport. Die globale Bühne, die er heute bietet, lockt verschiedenste Interessengruppen an, um Proteste jeglicher Art zu transportieren. Auch die Athleten kommen kaum noch umhin, politische Statements abzugeben.
Man darf es richtig finden, dass die alte Vogel-Strauß-Taktik im Sport nicht mehr aufgeht. Organisationen wie Greenpeace müssen aber verstehen, dass sie auf einem schmalen Grat wandern. Selbst wenn der Anti-Öl-Ballon sanft auf dem Rasen gelandet wäre, hätte das nicht automatisch Sympathiepunkte gebracht. Raum für wichtigen gesellschaftlichen Diskurs gibt es genug. Das Sportstadion sollte nur dazugehören, wenn der Sport betroffen ist. Rassismus und Menschenrechte sind Beispiele.
Wolfgang.Hauskrecht@ovb.net