Unionsstreit um Mütterrente

Nicht wieder in die Rentenkasse greifen

von Redaktion

SEBASTIAN HORSCH

Man könnte glauben, es ist erst dann offiziell Wahlkampf, wenn die CSU eine Ausweitung der Mütterrente gefordert hat. Schon 2013 und 2017 punkteten die Bayern in ihrer Wählerschaft mit diesem Thema. Nun soll auch noch der fehlende halbe Prozentpunkt für Mütter von vor 1992 geborenen Kindern her.

Die CSU-Forderung eignet sich schon deshalb wieder prächtig als Wahlkampf-Knüller, weil sie das Gerechtigkeitsgefühl vieler Menschen trifft. Wer sich auf seinen gesunden Menschenverstand verlässt, kann schließlich schwer erklären, warum eine Frau, die vor 1992 ein Kind zur Welt gebracht hat, weniger Unterstützung bekommen soll als andere Mütter. Aufzurechnen, dass diese Frau ja womöglich bereits an anderer Stelle bevorteilt wurden – etwa durch ein früheres Renteneintrittsalter – mag sachlich richtig sein, wirkt aber kleinlich. Etwas stärker wiegt da der Einwand der CDU, die fragt, woher denn das Geld kommen soll. Um diese und andere Fragen zu klären, hält auch CSU-Chef Markus Söder „einen Kassensturz“ für notwendig – aber erst nach der Wahl.

Um es schon jetzt klar zu sagen: Den knapp zehn Millionen betroffenen Müttern ist eine Aufbesserung ihrer Bezüge zu gönnen. Die Förderung von Kindererziehung ist allerdings nicht die Aufgabe der Rentenversicherung, die in den kommenden Jahrzehnten ohnehin an ihre Belastungsgrenzen gerät – und in die einige der Begünstigten auch nie eingezahlt haben. Das Geld müsste also aus Steuermitteln kommen – und nicht aus der Rentenkasse.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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