Silbereisen nun auch bei RTL

Alarmsignal für die Intendanten

von Redaktion

RUDOLF OGIERMANN

Schon einmal in der jüngeren Fernsehgeschichte gab es eine Wanderungsbewegung von den Öffentlich-Rechtlichen zu den Privaten, als Namen wie Thomas Gottschalk oder Günther Jauch plötzlich bei RTL auftauchten. Doch schnell wurde allen Seiten klar, dass die Moderation einer Show bei der kommerziellen Konkurrenz die Person nicht automatisch fürs gebührenfinanzierte Fernsehen disqualifiziert. Man hat sich arrangiert, Wechsel sind in beide Richtungen möglich. Und das ist auch gut so.

In jüngster Zeit müssen ARD (vor allem) und ZDF wieder prominente Köpfe gehen lassen oder „teilen“. Auch Florian Silbereisen gehört nun dazu. Den Intendanten sollte das zu denken geben, insbesondere der Exodus der Nachrichtenmacher wie zuletzt Pinar Atalay. RTL und Pro Sieben-Sat.1 nehmen eine Menge Geld in die Hand, ihre Programme zu verbessern, und wenn das gelingt, steigen auch die Quoten. Auf der anderen Seite drohen die Öffentlich-Rechtlichen durch die Streamingdienste die Pole Position bei hochwertiger Fiktion zu verlieren.

ARD und ZDF konnten bei ihrem Kampf um (mehr) Gebührengeld stets darauf verweisen, die beste Information und die relevantesten Filme im Angebot zu haben. Doch die Kunden haben mehr denn je die Wahl. Und wenn sie News, Magazine, Filme und Serien immer häufiger bei den Privaten suchen und finden, haben die Anstalten aus Mainz, München, Köln oder Hamburg ein Legitimationsproblem – noch größer als ohnehin schon.

Rudolf.Ogiermann@ovb.net

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