Abkehr vom Billligfleisch

Der Handel schafft Fakten

von Redaktion

DOMINIK GÖTTLER

Aldi ist vorgeprescht, nun zieht die Konkurrenz nach. Immer mehr große Handelsketten kündigen an, Fleisch aus Haltungsformen, die nicht über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, Stück für Stück aus dem Sortiment zu streichen. Einmal mehr zeigt sich, wer die Ernährungspolitik in der Praxis gestaltet. Die Berliner Koalition ist es jedenfalls nicht. Union und SPD sind nun schon die zweite Legislaturperiode in Folge daran gescheitert, ein nationales Tierwohlkennzeichen auf den Weg zu bringen. Und auch um die seit über einem Jahr auf dem Tisch liegenden Empfehlungen der Borchert-Kommission für einen Umbau der Nutztierhaltung muss sich die nächste Bundesregierung kümmern. Währenddessen schafft der Lebensmitteleinzelhandel Fakten.

Der Applaus der Verbraucher ist einkalkuliert. Die Abkehr vom Billigfleisch passt bei Aldi, Lidl und Co. bestens ins gewünschte Bild vom nachhaltigen Lebensmittelversorger. Für die Nutztiere in Deutschland ist der Tierwohl-Wettbewerb im Handel tatsächlich eine gute Nachricht. Denn der Verbraucher selbst hat es lange verpasst, mit seinem Einkaufsverhalten die Richtung vorzugeben. Zum Problem wird der Kurswechsel der Discounter für so manchen Erzeuger. Denn für mehr Tierwohl braucht es den richtigen Stall. Der kostet Geld und muss genehmigt werden. Für die höheren Erzeugerkosten muss der Handel den Kunden zur Kasse bitten, wenn er es mit der Nachhaltigkeit ernst meint – ob der Applaus dann noch anhält, ist fraglich. Und beim Stallbau ist die Politik weiter faire Vorgaben schuldig, mit denen der Wandel in der Tierhaltung gelingen kann.

Dominik.Goettler@ovb.net

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