München – Kopfweh, Schmerzen im Arm, Müdigkeit und manchmal Fieber: Solche Symptome sind typisch nach einer Corona-Impfung. Knapp 40 Prozent der Deutschen sind laut Robert-Koch-Institut mittlerweile vollständig geimpft. Viele Geimpfte klagten vor allem nach dem zweite Piekser über eine sogenannte Impfreaktion.
Das ist nicht ungewöhnlich und grundsätzlich von Impfungen bekannt. Die Beschwerden treten meist kurz nach der Impfung auf und halten nur wenige Tag an. Hier liegt auch der Unterschied zu Nebenwirkungen: Diese treten laut Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung meist nach vier bis sechzehn Tagen auf. Während dann zu einem Arztbesuch geraten wird, seien die Zeichen der Immunreaktion erst einmal unbedenklich.
Denn der Körper setzt sich rasch mit dem gespritzten Mittel auseinander. Das Immunsystem wird aktiviert und bildet Antikörper.
Corona-Impfstoffe lösen Experten zufolge eine sehr starke Immunantwort aus. Aber keine Sorge, wer nichts spürt: Die Impfung sei dann nicht weniger wirksam.
Dass gerade jetzt häufig von Symptomen nach der Impfung berichtet wird, hängt mit den aktuell besonders vielen Zweitimpfungen zusammen. Das Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe weist darauf hin, dass bei den mRNA-Impfstoffen, also Biontech/Pfizer und Moderna, bei der zweiten Impfung häufiger Impfreaktionen auftreten. Bei Astrazeneca hingegen seien Fieber, Krankheitsgefühl und Schüttelfrost dann im Vergleich zur ersten Dosis milder und seltener.
Außerdem berichten derzeit Geimpfte oft von Reaktionen, weil sie jünger sind als viele der Personen, die Anfang des Jahres geimpft worden sind – denn auch das Alter soll eine Rolle spielen. Untersuchungen zeigen, dass die Reaktionen bei Jüngeren etwas öfter auftreten. Und auch das Geschlecht entscheidet offenbar: Die Immunantwort scheint bei Frauen stärker zu sein. Virologin Sandra Ciesek erklärte im NDR-Info-Podcast im Mai, dass auch bei Genesenen die Impfreaktion stärker ausfallen könne. Weil der Körper bei diesen Personen schon mal Kontakt mit dem Erreger hatte, werde das Immunsystem stärker aktiviert.
Konkrete Zahlen, welche Impfreaktionen wie häufig nach den einzelnen Dosen der mRNA-Impfstoffe auftreten, gibt es aus den USA, veröffentlicht durch die US-Gesundheitsbehörde CDC. Ein paar ausgewählte Beispiele zur Verdeutlichung: Bei dem Biontech/Pfizer-Impfstoff hatten 3,7 Prozent von, in diesem Fall, etwas mehr als 2000 Tagebuch-Führenden nach der ersten Dosis Fieber. Nach der zweiten Dosis waren es schon 15,8 Prozent. Die Probanden waren zwischen 18 und 55 Jahre alt. Bei den über 55-Jährigen hatten nach dem ersten Piekser 1,4 Prozent Fieber, nach dem zweiten waren es 10,9 Prozent. Kopfschmerzen verspürten in der jüngeren Gruppe nach dem ersten Mal 41,9 Prozent, beim zweiten Mal 51,7 Prozent. Für die Älteren gibt das CDC Werte von 25,2 beziehungsweise 39 Prozent an.
Noch etwas größer sind die Unterschiede bei Moderna: Bei den 18- bis 64-Jährigen hatten nach der ersten Dosis nur 0,9 Prozent von über 11 000 Befragten erhöhte Temperatur. Nach der zweiten berichteten 17,4 Prozent davon. Bei den Älteren waren es 0,3 zu 10,2 Prozent. CINDY BODEN