Grünes Licht für Geimpfte?

von Redaktion

VON MARC BEYER

München – Das Wetter in Malta war gestern prächtig. 30 Grad wurden in der Hauptstadt La Valletta gemessen, die Regenwahrscheinlichkeit lag bei null Prozent. Dennoch braut sich auf der Mittelmeerinsel gerade etwas zusammen. Und noch ist nicht abzusehen, ob es bei lokalen Turbulenzen bleibt oder ob auch andere Urlaubsregionen erfasst werden: Ab Mittwoch wird Malta seine Grenzen für alle Touristen schließen, die noch nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind. Gesundheitsminister Chris Fearne begründet den Schritt damit, dass zwar 79 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft sind und es Ende Juni mal keine Neuinfektionen mehr gab, die Inzidenz mittlerweile aber wieder stark steige. 90 Prozent seien Ungeimpfte, viele Fälle seien auf Sprachschulen zurückzuführen. Die müssen nun schließen.

Dass nur die volle Immunisierung die Einreise ermöglicht, ist in Europas Urlaubsdestinationen noch ein Einzelfall. Doch das rigorose Vorgehen der Malteser findet Befürworter. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, sprach sich in der „Rhein-Zeitung“ jetzt dafür aus, das Reisen vom Impfstatus abhängig zu machen. Man dürfe „Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren“. Selbst ein negativer Test sei unzureichend: „Das Freitesten schützt ja nicht. Wer zum Beispiel auf eine Insel mit einem negativen PCR-Test fährt, kann sich dort sehr wohl anstecken, fährt wieder nach Hause und ist Virusträger.“

Politisch sind solche Ideen natürlich heikel. Nur ein Beispiel: Länder, die nur Geimpfte ins Land ließen, würden damit quasi fast alle Kinder und Jugendlichen unter 18 vom Urlaub ausschließen.

Doch die Diskussion dreht sich nicht nur um den Urlaub. Auf Länder- und Bundesebene geht es mittlerweile um die Frage, ob und wie lange Einschränkungen für vollständig Geimpfte generell zumutbar sind. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte der „Welt am Sonntag“, die Gesamtverantwortung gehe „vom Staat wieder auf den einzelnen Bürger über“, sobald jeder ein komplettes Impfangebot erhalten habe. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß ergänzte: „Kaum ein vollständig Geimpfter wird die Einschränkung seiner Grund- und Freiheitsrechte weiterhin akzeptieren, wenn alle ein Impfangebot erhalten haben. Für vollständig Geimpfte müssen die Einschränkungen spätestens dann fallen.“ Wann das eintritt, ist jedoch umstritten: Bislang warten noch viele auf ihren zweiten Impftermin.

Auch die Diskussion um die Inzidenz erhält neuen Schwung. Mit dem Impfschutz bekommt der Blick auf schwere Verläufe eine größere Bedeutung – allerdings ergibt sich immer erst mit zeitlicher Verzögerung ein klares Bild. Statistiker Helmut Küchenhoff von der LMU München plädiert deshalb dafür, bei der Inzidenz in erster Linie auf die älteren Menschen zu blicken, da diese besonders anfällig seien. Zuletzt war der Wert für Menschen ab 60 Jahren laut RKI-Daten weniger als halb so hoch wie in der Gesamtbevölkerung – und stieg laut Berechnungen Küchenhoffs zuletzt auch nicht. Das dürfte an der höheren Impfquote bei Älteren liegen.  (mit dpa))

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