Debatte um Inzidenz

Neue Grundlage für Corona-Politik

von Redaktion

MARC BEYER

Noch sind es nur Zuwächse im Zehntel-Bereich, um die sich die Sieben-Tage-Inzidenz erhöht, aber auch ein kleiner Trend kann sich rasch zu einem satten Anstieg verfestigen. Nach fast anderthalb Jahren Pandemie reagiert das Land sensibel auf feinste Ausschläge, doch nach drei Wellen und vielen Millionen Impfungen klingen die Warnungen inzwischen anders. In der Tonlage weniger alarmistisch, im Inhalt differenzierter.

Die Bundesregierung ist dabei, ihre Corona-Politik neu zu definieren. Die Inzidenz, lange das fast alleinige Kriterium, ist nur noch eine von mehreren Variablen. Das ist schon deshalb angemessen, weil der Schutz des Gesundheitssystems – stets oberstes Ziel der Maßnahmen – heute unter ganz anderen Voraussetzungen möglich ist. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung ist vollständig geimpft, vor allem die Ältesten und Schwächsten.

Es ist keine Kleinigkeit, wenn Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen sollten und besonders die Jüngeren und Jüngsten in den Fokus geraten. Viele hatten bis vor Kurzem keine Gelegenheit zur Impfung, andere bleiben auch jetzt aus Altersgründen außen vor. Doch nach allem, was man weiß, dürften die Verläufe wesentlich milder ausfallen. Eine Erkrankung bedeutet heute etwas anderes als vor einem Jahr. Gleiches sollte für die Inzidenz gelten und für den Umgang mit ihr.

Marc.Beyer@ovb.net

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