Wettlauf ins All

Wir können uns die Skepsis nicht leisten

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Was für ein bizarr erscheinender Wettlauf in die Unendlichkeit! Mehrere Milliardäre haben jahrelang gekämpft, als erster Superreicher für wenige Minuten ins All zu fliegen. Das ließe sich allzu leicht abtun als blechernes Brunftgeheul, „mein Auto, meine Villa, meine Rakete“ – die Entwicklung ist aber für die gesamte Gesellschaft bedeutsam. Die private Raumfahrt drückt in die Lücke, die die stagnierende staatliche Weltraumforschung im Westen lässt. Mutig – doch da bleiben gemischte Gefühle.

Es ist vor allem in Europa gerade nicht hipp, wenn der Staat Milliarden für Missionen Richtung Mond verplant, schon gar nicht angesichts der Corona-Folgekosten. Die Polemik dagegen fällt leicht. Die Argumentation dafür mit Job-Effekten und den mittelbar gewonnenen Innovationen für viele Lebensbereiche, von Luftfahrt bis Klimaschutz, ist komplexer. Schon jetzt liegt Europa mit seinen Ausgaben für Weltraumforschung nur noch bei einem Bruchteil der Investitionen, die auf verschiedenen Kanälen in den USA und zunehmend in China fließen.

Die Skepsis gegenüber Raumfahrtinvestitionen, der unangemessen spöttische Unterton selbst in Bayern, passen leider zu einer technik- und industriefeindlichen Tendenz: Auto (dreckig!), Raumfahrt (haha!), Rüstung (igitt!) – mit Madigmacherei zahlreicher Schlüsselbranchen werden wir unseren Wohlstand nicht halten.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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