Berlin/Washington – Nach den Belastungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis in der Zeit von Donald Trump bereitet der neue US-Präsident Joe Biden der Kanzlerin zum Abschied einen großen Empfang. Scherben sollen gekittet werden – doch Meinungsverschiedenheiten bleiben wohl auch nach dem Besuch von Angela Merkel (CDU).
Der Empfang ist herzlich. Merkel wird am Rande ihres Besuchs in Washington mit der Ehrendoktorwürde der Johns Hopkins Universität ausgezeichnet – ihr 18. Ehrendoktor. Im Mittelpunkt der Reise steht am Donnerstag aber der Austausch mit Biden. Er und First Lady Jill Biden richten im Weißen Haus ein Abendessen zu Merkels Ehren aus. Zuvor stehen ein bilaterales Gespräch und eine gemeinsame Pressekonferenz an. Merkel ist die erste Regierungschefin aus Europa, die von Biden im Weißen Haus empfangen wird.
Biden will die unter Trump schwer belasteten Beziehungen reparieren. Beim Treffen wird nach Angaben des Weißen Hauses auch die umstrittene deutsch-russische Pipeline Nord Stream 2 angesprochen. Washington und Berlin bemühen sich um einen Kompromiss. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es sich um einen schlechten Deal handelt, der globale Probleme mit sich bringt“, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Merkel bekräftigte, die Ukraine müsse ungeachtet von Nord Stream 2 weiter Transitland für Gas aus Russland bleiben.
120 Politiker, Künstler und Journalisten appellierten in einem offenen Brief an Merkel, sich bei Biden für die Freilassung von Wikileaks-Gründer Julian Assange einzusetzen. Unterzeichner sind auch die Parteichefs Norbert Walter-Borjans (SPD) und Robert Habeck (Grüne) sowie Linken-Politiker. Assange sitzt in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis.