Darauf haben die Opfer und die Gemeindemitglieder von Garching an der Alz sehr lange gewartet: Kardinal Reinhard Marx hat das Versagen der Kirche und seine eigene Schuld im Umgang mit den Missbrauchsverbrechen durch Pfarrer H. eingeräumt. H. trotz einschlägiger Vorstrafe in der Pfarrseelsorge einzusetzen und die Gemeinde nicht zu informieren – das waren nicht nur schwere Fehler. Dieses in der katholischen Kirche über Jahrzehnte verbreitete, unsägliche Vorgehen hat dazu geführt, dass weitere Kinder Opfer dieser Straftäter im Priestergewand wurden.
Kardinal Marx will mit dem persönlichen Gespräch vor Ort – auch wenn er sich damit viel Zeit gelassen hat – zeigen, dass er verstanden hat, welch große Schuld die Institution und auch deren Verantwortliche persönlich tragen. Seine aufrichtige Bitte um Entschuldigung sollte auch andere Kirchenverantwortliche veranlassen, sich endlich zu ihrem Versagen zu bekennen. Bei dem neuen Gutachten zur Aufarbeitung des Umgangs mit Missbrauch im Münchner Erzbistum, das im Herbst veröffentlicht werden soll, wird wohl auch ans Licht kommen, wie viel der frühere Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., über den Fall H. wusste. Jetzt darf nichts mehr unter den Tisch gekehrt werden. Alle Fakten müssen offengelegt werden. Nur wenn sich die Kirche vollumfänglich zum Versagen bekennt, kann Heilung beginnen.
Claudia.Moellers@ovb.net