„Eine Frage des Charakters“

von Redaktion

CDU-Kanzlerkandidat Laschet lacht im Katastrophengebiet – Kann ihm das politisch schaden?

Erftstadt/Berlin – Es gibt Pannen im Leben eines Kanzlerkandidaten, die einen Tag für Aufregung sorgen und dann wieder vergessen sind. Der Ausrutscher vom Samstag, als NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei einem Besuch in Erftstadt im unpassendsten Moment lacht, könnte so ein Fall sein. Vielleicht wird dem CDU-Chef die dadurch ausgelöste Diskussion darüber, ob er das Format hat, die nächste Bundesregierung zu führen, aber auch langfristig schaden. Sie trifft ihn in einem ungünstigen Moment. Denn in den Umfragen ging es für die Union zuletzt wieder etwas bergauf.

Laschet hatte Steinmeier selbst nach Erftstadt eingeladen. Dort, im Ortsteil Blessem, ist es zu gewaltigen Erdrutschen gekommen, auch Menschen werden vermisst. Am Samstag sprechen Laschet und Steinmeier mit Einsatzkräften. Dann tritt der Bundespräsident vor die Mikrofone. „Wir trauern mit denen, die ihre Freunde, Bekannten, Familienangehörige verloren haben“, sagt Steinmeier. „Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz.“ Kurz darauf sieht man Laschet, der etwa zehn Meter hinter Steinmeier mit einem Landrat und anderen in einer kleinen Gruppe zusammensteht. Er lacht.

Kameraleute fangen den Moment ein. Als das Video auch in sozialen Medien verbreitet wird, reagieren viele Menschen empört. „Eine Frage des Charakters“, ätzt SPD-Vize Kevin Kühnert bei Twitter. Der Pianist Igor Levit schreibt, ihm fielen zwei Kanzlerkandidaten ein, „denen solch würdeloses Verhalten nicht passiert wäre“.

Laschet teilt später mit, er bedauere „den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden sei“. Und räumt ein: „Dies war unpassend und es tut mir leid.“ Der CDU-Vorsitzende betont: „Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben.“ Tatsächlich geht Laschet, nachdem Steinmeier abgereist ist, noch in eine Notunterkunft. Mit ernster Miene hört er den Menschen zu, die von den Schrecken der vergangenen Tage erzählen.

Später meldet sich aus der Gruppe, die mit Laschet gelacht hat, der Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock. Er spricht von einer anstrengenden, emotional aufgeladenen Situation und erklärt: „Sollte ich damit die Gefühle von Menschen verletzt haben, entschuldige ich mich dafür ausdrücklich. Auch der Landrat ist nur ein Mensch und macht Fehler.“

Es gibt auch Menschen, die Laschet, der als Wahlkämpfer und Chef der NRW-Regierung im Katastrophengebiet unter enormem Druck steht, verteidigen. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz twittert etwa, der Eindruck, Laschet lache über das Leid, sei schlicht falsch.

Läuft es gut für Laschet, wird die Szene schnell vergessen sein. Läuft es schlecht, könnte sie dem Momentum der Union schaden. Das wissen auch die Grünen, die sich derzeit auffällig zurückhalten. Der Vorsprung der Union auf sie ist groß – noch jedenfalls.  dpa/mmä

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