CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
Leider sagt es viel aus über den Wahlkampf der CDU, dass er mit einer Konferenz im Europa-Park Rust starten sollte. Ein Freizeitpark mit „Super Splash“, Karussell und Rutschenparadies – was für ein dämlicher Ort, um in eine Auseinandersetzung über die Zukunft unseres Landes zu starten, und das nicht erst nach der Flutkatastrophe. Allmählich dämmert den Unions-Strategen, dass sich damit nur ein Freizeit-Trallala-Wahlkampf illustrieren ließe. Und genau von dem sollte die Union Abstand suchen.
Die eindringlichen Mahnungen der CSU, mehr Profil und mehr Kante zu zeigen, sind berechtigt. Ein Kandidat Laschet von geringem Enthusiasmus und ein Wahlprogramm im Ungefähren reichen vielleicht, um als Erster ins Ziel zu schlingern – aber ohne Gewissheit, dann die Regierung zu stellen. Die Union muss um Unentschlossene kämpfen, sie muss Unbequemes sagen. Sie kann sich auch nicht ewig um das Migrationsthema drücken in der Hoffnung, Merkel-Freunde wie -Gegner damit gleichermaßen im wohligen Dämmerschlaf zu halten.
Also: Weg mit der Freizeitpark-Attitüde! Das neue CSU-Wahlprogramm allein macht allerdings auch nicht alles besser. Der Grundgedanke der Entlastung ist richtig, kluge Vorschläge sind drin. Aber zu viel Wünsch-Dir-was im Detail, zu viel vom Spender-Söder, der alles und jeden mit Versprechungen und Zusagen eindeckt. Das hat schon bei seinem Start als Ministerpräsident 2018 nicht funktioniert. Die Leute sind misstrauischer geworden, übrigens besonders gegenüber einer Partei, die x-mal eine Maut versprochen hat. CDU und CSU sind wenige Wochen vor der Briefwahl noch gefährlich weit voneinander und vor allem von einem gemeinsamen Erfolg entfernt.
Christian.Deutschlaender@ovb.net