Impf-Streit um Aiwanger

Söder steckt in der Zwickmühle

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Mitleid hat Markus Söder selten nötig, aber im Umgang mit seinem Vize Hubert Aiwanger steckt er echt in einer Zwickmühle. Ein Minister, der ein zentrales Projekt offen sabotiert, müsste natürlich entlassen werden. Nicht morgen, sondern gestern. Aber Söder kann nicht: Über Aiwanger mag auch bei seinen Freien Wählern getuschelt werden, der Anti-Impf-Kurs und die durchwachsene Arbeit als Wirtschaftsminister hinterlassen Spuren – doch er sitzt noch fest im Sattel. Ihn zu feuern, hieße, dass die Freien Wähler sofort die Koalition verlassen: der direkte Weg in ein Bündnis CSU-Grüne. Wer Söder das jetzt, auch noch vor der Bundestagswahl, rät, meint es nicht gut mit ihm – sondern freut sich nur auf ein Spektakel.

Nach dem Gewaltakt der Pandemiebekämpfung wären auch Neuwahlen in Bayern eine saubere Lösung – aber eben erst danach, und für den in der CSU nicht mehr unumstrittenen Söder auch nicht automatisch ein Triumphmarsch. Seine Partei hängt in Umfragen zwischen 36 und 39 Prozent, das Land ist nach anderthalb Corona-Jahren aufgewühlt. Die nüchterne Aussicht also, und auch eine Lehre aus dem CSU/FDP-Bündnis vor 2013: Die bürgerliche Koalition dürfte sich, begleitet von ein paar Flüchen hier und da, vorerst wieder zusammenraufen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Artikel 1 von 11