Kanzlerrennen

Kandidat „Weiß nicht“ liegt vorne

von Redaktion

MARCUS MÄCKLER

Würde der Kanzler direkt gewählt, gäbe es Umfragen zufolge im Moment einen klaren Sieger. Er heißt: „Weiß nicht“ und ist nach allem, was bekannt ist, parteilos. Das ist durchaus bemerkenswert: Das Lager jener Wähler, die sich wenige Wochen vor der Bundestagswahl für keinen der drei realen Kandidaten entscheiden können, ist bestürzend groß. Auch Olaf Scholz, der im Rennen der Patzer und Ausrutscher so etwas wie der Einäugige unter den Blinden ist, kommt auf Zustimmungswerte, die für sich genommen keinen Kanzler machen.

Für ein Land, das (auch personell) den Aufbruch sucht, ist das zu wenig. Die Gründe sind nicht nur in einem schrecklich faden Wahlkampf zu suchen, sondern auch bei den Kandidaten selbst. Während Armin Laschet versucht, mit maximaler inhaltlicher Reibungslosigkeit ins Kanzleramt zu flutschen, spricht Annalena Baerbock zunehmend die grüne Kernklientel an und verliert die Breite der Wähler aus dem Blick. Beide ziehen ihre Parteien runter, bei Scholz ist es umgekehrt. Die blasse SPD-Spitze hängt ihm wie Blei an den Füßen und es scheint, als traue er sich nicht, selbst kantige Akzente zu setzen.

Wer ins Kanzleramt will, muss diesen Kreis durchbrechen, und zwar mit Blick auf die bald beginnende Briefwahl besser früh als spät. Entscheidend könnten die Trielle werden, bei denen die Drei vor großem TV-Publikum direkt aufeinandertreffen. Allerspätestens dann muss ein Funke zünden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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