Alle Sportarten drängen ins Fernsehen. Sie erhoffen sich von Bildschirmpräsenz Aufmerksamkeit, Sponsorenkontakte. Olympia erfüllt ihnen den Wunsch. Für manchen Sport ist es aber doch besser, wenn ihn eine breite Öffentlichkeit nicht registriert. Wie den Modernen Fünfkampf. Der hat sich durch eine zeitliche Straffung seiner Abläufe und eine Zusammenlegung von Schießen und Laufen zu einer Art Biathlon attraktiver gemacht und somit bei Olympia gehalten – doch nun sollte man über die Verabschiedung dieses von seinen Ursprüngen her militärischen Mehrkampfs von den Spielen nachdenken.
Ja, er hat seine Bilder bekommen. Solche, die er nicht wollte, die aber die Meinungsbildung über ihn bestimmen werden. Springreiten ist ein Teil des Fünfkampfs, die Pferde werden ausgelost, es ist wenig Zeit, sich bekannt zu machen mit dem Tier. Es ist eine Unwägbarkeit und vielleicht auch Ungerechtigkeit im Reglement – doch wer wie die deutsche Athletin Annika Schleu anfängt, angefeuert von Bundestrainerin Kim Raisner, ein sperriges Pferd mit Gerte und Sporen zu malträtieren und in die Hindernisse und Verweigerung zu treiben, sollte seine Tränen hinterher nicht in eigener Sache vergießen, sondern um eines gequälten Lebewesens wegen.
Das Pferd zu schützen und abzusteigen, es wäre die olympische Geste 2021 gewesen. Die Sportwelt hätte sie wahrgenommen. Schleu und Raisner indes haben nicht nur eine Medaille verloren, sondern unsere Achtung.
Guenter.Klein@ovb.net