Streik der Lokführer

Weselskys Ego-Trip

von Redaktion

WOLFGANG DE PONTE

Ein Mann sieht rot. Claus Weselsky, Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL, stürzt Deutschland für die nächsten zwei Tage ins Bahn-Chaos. Hunderttausende Pendler, die auf die Bahn angewiesen sind, und tausende Geschäftsreisende und Urlauber müssen sich auf satte Verspätungen, knallvolle Züge und viel Stress einstellen. Und das nicht, weil sich Bahn und Lokführer nicht auf eine Tarifvereinbarung einigen können — die Forderungen der GDL und Angebot der Deutschen Bahn liegen eng beieinander –, sondern weil Weselsky (noch) mehr Macht und Einfluss will.

Denn mit seinem Kopf-durch-die Wand-Kurs verfolgt der 62-Jährige nur ein Ziel: Er will der größeren Eisenbahngewerkschaft EVG Mitglieder abjagen. Dafür muss man kein Verständnis haben. Insbesondere auch deshalb nicht, weil Weselsky noch am Montag versprochen hatte, Bahn-Fahrer rechtzeitig (!) über die geplanten Streiks zu informieren. Nun kommt der Streik quasi über Nacht. Weselskys Kommentar dazu: „Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für Bahnstreiks…“ Zynischer geht’s kaum. Die Bahn wird sich nun vor Gericht um ein schnelles Ende der Streiks bemühen, denn Weselsky wird nachlegen. Man kann ihr nur viel Erfolg wünschen und hoffen, dass kluge Richter den Ego-Trip des GDL-Funktionärs stoppen.

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