Berlin – Am Ende bekommt Armin Laschet doch noch die Bilder, die er sich wohl gewünscht hat an diesem Tag. „Wir werden kämpfen. Ich werde kämpfen, mit allem, was ich kann, dass dieses Land nicht von Ideologen übernommen wird“, ruft er in den Saal. „Dass wir die Chance haben, unsere Ideen von diesem modernen Deutschland umzusetzen“, schiebt der Kanzlerkandidat nach. Es ist der zentrale Wahlkampfauftakt der Union. Gut 100 junge Wahlkämpfer sind ins Berliner Tempodrom gekommen, mehr ging corona-bedingt nicht. Nun applaudieren sie im Stehen, zwei Minuten lang. Ein paar „Armin, Armin“-Rufe sind zu hören.
Laschet winkt, bedankt sich. Auch Angela Merkel und Markus Söder kommen auf die Bühne. Ob der CSU-Chef absichtlich weit weg von Laschet steht und etwas lustlos klatscht? Deutlich weiter weg als die Kanzlerin jedenfalls. Sogar einen Mund-Nasen-Schutz trägt er, anders als die in Pandemiedingen besonders vorsichtige Merkel. Wer will, der kann es als Zeichen der Distanzierung Söders von Laschet werten.
Wenige Stunden später kann sich Söder bestätigt fühlen. Eine Umfrage birgt neues Ungemach: Die SPD hat die Union eingeholt, beide liegen bei 22 Prozent, wie das Institut Insa für die „Bild am Sonntag“ ermittelt hat. Die Kurve für die Union zeigt weiter nach unten. Ganz zu schweigen von den miserablen persönlichen Werten. In der Kanzlerfrage liegt SPD-Kontrahent Olaf Scholz derzeit meilenweit vorne.
Zwar gilt Laschet als Stehaufmann, der oft unterschätzt wird. Doch viele in der Union vermissen beim Kandidaten den Kampf, die Polarisierung. Auch im Tempodrom hält Laschet keine wirklich feurige Rede. Gleich zu Beginn räumt er ein, dass der Wahlkampf anders verlaufe als geplant. Erst Corona, dann die Flut: „Das schmeißt einfach alles einmal durcheinander.“ Ob er da an seinen Lacher im Flutgebiet denkt?
Aber Laschet versucht den Befreiungsschlag, attackiert SPD und Grüne, warnt vor Rot-Rot-Grün. Er setzt einen Schwerpunkt auf Außen- und Sicherheitspolitik. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wirft er vor, sich bei der Abstimmung über das letzte Afghanistan-Mandat enthalten zu haben. „Es gibt keine Enthaltung, wenn es um die Interessen von Soldatinnen und Soldaten geht – entweder ja oder nein.“ Von Scholz, seinem derzeit schärfsten Rivalen, verlangt der CDU-Chef eine Abgrenzung von der Linkspartei.
Die Linken in der SPD knöpft sich Laschet besonders vor. Parteivize Kevin Kühnert vergleicht er mit Troubadix aus den Asterix-Heften: „Das war ein Mensch, der schrecklich gesungen hat. Den haben sie dann immer an den Baum gefesselt, ein Tuch in den Mund gesteckt, damit er bloß nicht den Mund aufmacht.“ Gemeinsam mit SPD-Chefin Saskia Esken sitze er „irgendwo versteckt, damit sie bloß nicht sagen, was sie wirklich vorhaben“. Bei den Unions-Wahlkämpfern kommt das gut an.
Ziemlich viele Ratschläge muss sich Laschet vor seiner Rede anhören – vor allem von früheren Rivalen. Söder, der Unterlegene im Machtkampf, kann sich ein paar Spitzen nicht verkneifen. „Ich habe keine Lust, keinen Bock auf Opposition“, sagt er und spricht vielen in der Union aus der Seele. „Es ist Zeit, souverän und engagiert, sexy und solide zu zeigen, wer wir sind und was wir können. Und wir können es noch“, lautet Söders flammender Appell. Die Union müsse „endlich vernünftigen Wahlkampf“ machen. Das geht klar in Richtung Laschet.