MARC BEYER
Wählen zu gehen, sollte mehr sein als nur ein Kreuz. Im besten Fall geht der Entscheidung eine gründliche Abwägung voraus, welche Partei den eigenen Interessen am stärksten gerecht wird. Das ist für viele freilich ein hoher Anspruch. Wenn nicht gerade eine Wahl ansteht, spielen politische Prozesse für sie keine große Rolle.
Das macht die immer zahlreicher angebotenen Wahl-Assistenten nicht automatisch zur echten Entscheidungshilfe. Dafür sind die Fragen nicht weit genug gefächert, die Antwortmöglichkeiten zu schematisch. Der Vorteil ist vor allem, dass die Instrumente überhaupt den Blick auf Themen lenken, die man gerade als politisch wenig Interessierter nicht zwingend im Fokus hat. Man hinterfragt (oder entdeckt überhaupt erst) die eigene Haltung zur CO2-Bepreisung, zur Gendersprache, sogar zum Szenario eines deutschen EU-Austritts. Das Ergebnis ist spannend. Es sollte nur nicht als Wahlanleitung missverstanden werden.
Der spezielle Charme liegt nicht zuletzt darin, dass am Ende womöglich eine Partei das Rennen macht, die man gar nicht auf dem Zettel hatte, im Extremfall nicht mal kannte. Darüber hinaus ist der Erkenntnisgewinn überschaubar. Die eigene Urteilsbildung zu Parteien und Persönlichkeiten, die TV-Debatte, das Lesen der Zeitung und vielleicht sogar eines Wahlprogramms kann auch der anspruchsvollste Algorithmus nicht ersetzen.
Marc.Beyer@ovb.net