Es ist ja beileibe nicht so, dass die Automobilindustrie in den letzten Jahren angesichts der Herausforderungen des Klimawandels alles richtig gemacht hätte – siehe etwa den Trend zur PS-Protzerei. Doch so fragwürdig mancher Tanz um das „goldene Kalb“ Auto einst war (und bei manchen noch ist), so falsch ist nun die Verkehrung ins Gegenteil: die Verteufelung des Automobils als Feindbild Nummer eins. Im Vorfeld der Münchner Automesse IAA rüstet sich die bayerische Polizei im Hinblick auf angekündigte Massen-Demonstrationen für den größten Einsatz seit 20 Jahren. Nichts gegen friedliche Proteste: Aber vielfach wird einfach ignoriert, dass die Branche die Trendwende längst eingeläutet hat: Der E-Pkw-Anteil an allen Neuzulassungen liegt aktuell bei 27,6 Prozent. Der Einstieg in den Ausstieg aus dem Verbrennermotor ist längst vollzogen. Das mag einigen noch zu langsam gehen. Aber so mancher Demonstrant sollte auch erst einmal genau prüfen, ob sein eigener Job nicht indirekt auch von der Automobilindustrie abhängig ist – wie viele hunderttausend andere hierzulande. Er also durch allzu radikale Forderungen den Ast absägen will, auf dem er sitzt.
Zur Realität gehört auch: In Großstädten mag ein Auto – dank ÖPNV – für manchen entbehrlich sein. Für die große Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land bleibt das Auto noch lange Zeit unverzichtbar.
Alexander.Weber@ovb.net