Wien kehrt zur FFP2-Maske zurück

von Redaktion

München – Spätestens seit gestern weiß man: Kiel und Wien trennen weit mehr als 1000 Autobahn-Kilometer. Während die Regierung in Schleswig-Holstein am Dienstag bekannt gab, die Maskenpflicht aufzuheben (zumindest überall dort, wo nur Geimpfte, Getestete oder Genesene Zugang haben), will das lange betont lockere Österreich sie wieder einführen. Das erklärte Kanzler Sebastian Kurz gestern.

Die neue Welle sei eine „Pandemie der Ungeimpften“, sagte Kurz und verwies auf Dänemark, wo eine hohe Impfquote Schutzmaßnahmen quasi unnötig macht. Nicht-Geimpfte soll es in Österreich daher zuerst treffen. Ab nächster Woche müssen sie in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln wieder FFP2-Masken tragen. Außerdem gilt dann ein neuer Stufenplan, der sich nicht an Inzidenzen, sondern an der Belegung von Intensivbetten orientiert. Ab zehn Prozent Auslastung soll die FFP2-Maskenpflicht demnach wieder für alle gelten. Bei 15 und 20 Prozent Auslastung treten jeweils weitreichendere Maßnahmen in Kraft.

In Österreich sind im Moment knapp 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, hierzulande liegt der Anteil nur ein paar Promille höher. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte gestern denn auch davor, die Situation zu unterschätzen. „Wenn wir die aktuellen Impfquoten nicht drastisch steigern, dann kann die aktuelle vierte Welle im Herbst einen fulminanten Verlauf nehmen“, sagte er in Berlin. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei.“ Schon jetzt steige die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden müssten – insbesondere auch bei jüngeren Menschen. Die allermeisten von ihnen seien ungeimpft.

Impfungen hätten allein zwischen Januar und Juli 77 000 Krankenhausaufenthalte und rund 20 000 Fälle auf Intensivstationen verhindert. Das sei ein „wirklich großartiger Erfolg der Impfung“, sagte Wieler. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, es fehle noch immer an der „einfachen Gelegenheit“ zum Impfen. es brauche „kreative Ideen“.

Auch die Vereinigung der Intensivmediziner (Divi) warnt vor einer verschärften Lage im Herbst. „Die Situation ist jetzt gut beherrschbar, aber wir bereiten uns auf eine größere vierte Welle vor“, sagte der Hamburger Intensivmediziner und Divi-Präsidiumsmitglied Stefan Kluge am Mittwoch. Mit Blick auf den Herbst sei klar, dass es zu einem Anstieg der Infektionszahlen und Intensivpatienten kommen werde. „Wir sind in hoher Sorge.“ Kluge warnte, dass auch Jüngere schwer erkranken könnten.

In Deutschland waren die Inzidenzen zuletzt wochenlang gestiegen. Aber es gibt Hoffnung: Denn die Sieben-Tages-Inzidenz ist an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gefallen, was zuletzt Anfang Juli der Fall war. Gestern lag der Wert bei 82,7. Auch die Reproduktionszahl, die die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus beschreibt, liegt seit Kurzem wieder unter 1. Ob es sich bei der positiven Entwicklung nur um eine Momentaufnahme oder um eine Trendumkehr handelt, ist aber unklar.

Außerdem spielt, wie in Österreich, auch hierzulande die Inzidenz nur mehr die zweite Geige. Wichtiger ist die Zahl der belegten Klinikbetten.  Material von dpa und afp

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