In der Psychologie spricht man von Projektion, wenn jemand eigene Schwächen einem anderen zuschreibt, um sie dann an ihm zu kritisieren. In diesem Sinne hat der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen gerade spektakulär projiziert. Der CDU-Politiker nannte seine Parteifreundin Karin Prien, die Kritik an ihm gewagt hatte, eine „fortlaufende Belastung“ für die Union. Dass Teile der Partei seit Monaten unter der Last seiner Bundestagskandidatur ächzen, verschwieg er.
Die offizielle Haltung der CDU zu Maaßen ist geprägt von demonstrativem Wegsehen und -hören. Der Einwurf der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Prien, die zu Armin Laschets sogenanntem Zukunftsteam gehört, lenkt den Blick nun umso schärfer auf den Mann, der sich schon lange hart am rechten Rand bewegt. Er ist auch deshalb so bemerkenswert, weil die allenfalls regional bekannte Prien sich eine Offenheit zutraut, die auch Laschet gut zu Gesicht stehen würde.
Sich kritisch mit Maaßens Standpunkten zu befassen, ist für die Union aus Gründen der Glaubwürdigkeit überfällig. Immerhin arbeitet sie sich beharrlich an SPD und Grünen sowie deren Verhältnis zur Linkspartei ab. Die Attacken nach links wären überzeugender, würden die C-Parteien verhindern, dass einer der Ihren – statt Skeptiker zu integrieren – die Grenzen immer weiter ins Rechtspopulistische verschiebt.
Marc.Beyer@ovb.net