München hat einen neuen Kulturtempel – und der ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Da wären der Preis und die Bauzeit: Während man bei anderen Konzerthäusern hin und her überlegt, Durchbrüche vermeldet und dann doch wieder Kostenfallen entdeckt, hat man in Sendling einfach gebaut. Eineinhalb Jahre hat das gedauert und rund 40 Millionen Euro gekostet. Das Ergebnis kann sich sehen – und auch hören – lassen. Die Isarphilharmonie und das gesamte HP8 sind also – übrigens ähnlich wie das unweit gelegene Volkstheater – der steingewordene Beweis, dass anregende Kulturarchitektur nicht jeden Kostenrahmen sprengen muss.
Bemerkenswert ist aber auch der Standort: Der Interims-Gasteig steht nicht im typischen Vorzeige-München mit schicken Fassaden und teuren Cafés und auch nicht in einem durchgestylten Neubauensemble, sondern im industriell geprägten Quartier, direkt gegenüber des Heizkraftwerks Süd. Gerade dieser Standort macht den großen Reiz dieses neuen Kulturzentrums aus. Der raue Charme dieser Gegend, wo München besonders bodenständig ist, wird die Kunst bereichern und ihre neue Impulse geben – und gleichzeitig wird die Kunst auch ins Viertel wirken. Und irgendwie fragt man sich, warum es hier nur bei einem Interims-Gastspiel bleiben sollte.
Marc.Kniepkamp@ovb.net