Verjüngung wird in der Politik am liebsten dann gefordert, wenn sie einen selber nicht betrifft. Deswegen ist es schon spektakulär, dass Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier ihre Mandate im Bundestag aufgeben, um Platz für zwei jüngere Nachrücker zu machen. Dieser Doppelschritt verdient ehrlichen Respekt. Das hat Format. Doch ehe sich die Huldigungen überschlagen: Wer als prominenter CDU-Bundesminister sein Direktmandat nicht geholt hat, sondern nur mit Glück über die Liste ins Parlament rutscht, hinterfragt sich zu Recht. Und beide hatten Anteil an der CDU-Wahlklatsche: AKK als sympathische, aber leider glücklose Interims-Parteivorsitzende, Altmaier, weil er ein schwacher Wirtschaftsminister war.
Für die Union sollte das ein wuchtiger Start, aber nicht das Finale beim personellen Umbau im Bund sein. Noch kleben zu viele an ihren Sesseln und Mandaten, halten sich wie Ex-Stratege Wolfgang Schäuble für unverzichtbar. Falls der Wechsel in die Opposition wirklich einen Neustart 2025 ermöglichen soll, muss echte Erneuerung her. Opposition ist Kampf und kein Austragsstüberl.
Um wie viel milder wäre die Wahlklatsche vom 26. September ausgefallen, wenn vorher jemand die Idee der Erneuerung durchgesetzt hätte? Hätte die Union 2019/2020 mit Festreden und Salutschüssen die Minister Altmaier, Seehofer, Karliczek, Scheuer, Müller verabschiedet und eine neue Generation regieren lassen – der Gang in die Opposition wäre ihr erspart geblieben.
Christian.Deutschlaender@ovb.net