MIKE SCHIER
Bernd Lucke, Frauke Petry, Jörg Meuthen – in keiner Partei wiederholt sich die Geschichte so oft wie in der AfD. Zum wiederholten Mal kündigt ein Vorsitzender, der als gemäßigt gilt, entnervt seinen Rücktritt an, weil ihn die radikaleren Kräfte zermürbt haben. Und mit jeder Neubesetzung rückte die Partei in der Folge noch ein Stück weiter nach rechts. Jetzt geht also auch der rechtskonservative Meuthen, der den „Dexit“ für einen Fehler hielte. Ein Erfolg für das Lager von Björn Höcke.
Blickt man noch einmal auf das Ergebnis der Bundestagswahl, ist es bemerkenswert, wie wenig die AfD insgesamt von der eklatanten Schwäche der Union und dem ja durchaus vorhandenen Frust über manche Corona-Maßnahme profitieren konnte. Ins Auge sticht dabei die große Ost-West-Schere: In Sachsen und Thüringen scheint sich die Partei zu einer dauerhaften Größe zu entwickeln – wobei zu befürchten ist, dass es sich dabei nicht mehr um Protestwähler handelt. Rechtsextreme Ansichten sind dort immer tiefer verwurzelt, den extremen Kräften in der Partei gibt das neuen Rückenwind.
Im Westen dagegen wächst die Skepsis, was offenbar auch in der AfD selbst wahrgenommen wird. Die neue, weitgehend unbekannte Fraktionsführung im bayerischen Landtag beispielsweise dürfte eher für den Versuch stehen, gemäßigtere und konstruktive Opposition zu machen. Ob das verfängt? Wohin die Partei insgesamt steuert und ob sie eher zur Lega Ost mutiert, könnte von der Besetzung der Meuthen-Nachfolge abhängen.
Mike.Schier@ovb.net