Auf der Suche nach Sündenböcken für die Wahlkatastrophe ist man in der Münchner Staatskanzlei erneut fündig geworden: Das „eigene Personal“ habe nicht so gezogen, wie „wir uns das erwartet hatten“, gestand CSU-Chef Söder auf der Landesversammlung der Jungen Union scheinbar selbstkritisch ein – meinte damit aber nicht sich selbst, sondern die (von ihm ausgesuchten) Listenkandidaten. Ganz falsch ist die Analyse wohl nicht, dass die Wähler nicht in Scharen begeistert ihr Kreuzchen bei dem affärengeschüttelten Andi Scheuer oder bei Dorothee Bär machen wollten. Aber das hätte man auch vorher wissen können. Ihnen jetzt den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist nicht sehr nobel. Erst eine One-Man-Show zu veranstalten und überall Söder zu plakatieren, um dann, wenn der Erfolg ausbleibt, mit dem Finger auf die Leute in der zweiten und dritten Reihe zu zeigen, gehört sich nicht.
Kein Wunder, dass die Nummer beim Parteinachwuchs schlecht ankam. Dort hat man ein gutes Gespür für Fairness. Ein Chef, der seine Leute im Regen stehen lässt, um selbst besser auszusehen, muss damit rechnen, dass die Parteifreunde ihm gegenüber genauso verfahren. So kam es dann auch. Mit Dreiviertel-Mehrheit strichen die Jung-CSUler das „Zugpferd Söder“ aus einem Vorstandspapier. Für den auch innerparteilich schwer in die Kritik geratenen CSU-Chef könnte sich das noch als Menetekel erweisen: Es war die Junge Union, die ihm einst den Weg ganz nach oben bereitete. Jetzt hat sich der Wind gedreht. Und wieder ist es der Parteinachwuchs, der seinem Chef als erster die Gelbe Karte zeigt.
Georg.Anastasiadis@ovb.net