China droht Taiwan

Nutzt Xi die Gunst der Stunde?

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Pekings Machtanspruch auf Taiwan besteht seit Maos Zeiten. Doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern meint es Chinas Präsident Xi Jinping ernst mit der „Wiedervereinigung“ – ein Propagandabegriff, denn Taiwan war nie Teil der Volksrepublik. Die seit Monaten zunehmenden militärischen Drohgebärden gegenüber der Pazifik-Insel sind ein Beleg dafür, dass Xi möglicherweise den Zeitpunkt gekommen sieht, seine frühe Ankündigung, die Taiwan-Frage noch in seiner Herrschaftszeit zu „lösen“, umzusetzen. Der starke Mann Pekings wähnt den globalen Konkurrenten USA nach den Debakeln in Afghanistan und Nahost im Niedergang und könnte versucht sein, die Gunst der Stunde zu nutzen.

Die kleine Demokratie wehrt sich tapfer gegen den Psycho-Krieg Pekings. Doch für Militärexperten ist klar: Allein auf sich gestellt, wäre Taipeh chancenlos bei einem Überfall der Kommunisten. Es kommt deshalb entscheidend darauf an, welche Signale aus Washington gen Peking gesendet werden. Die USA haben zwar keine vertraglichen Bündnisverpflichtungen, doch Amerika gilt als Schutzpatron der Insel. Dass US-Präsident Joe Biden den Kampf zur Eindämmung des wachsenden chinesischen Einflusses ins Zentrum seiner Politik gerückt hat, beweist der (Europa düpierende) jüngste Pakt mit Australien und Großbritannien. Es muss nun das Ziel der US-Diplomatie sein, Xi davon zu überzeugen, dass der Preis eines militärischen Abenteuers für Peking zu hoch wäre.

Alexander.Weber@ovb.net

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