Berlin – In der Debatte um die Nachfolge von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gerät die SPD weiter unter Druck. Die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Beate von Miquel, forderte die Partei auf, das Amt mit einer Frau zu besetzen. „Es ist unglaubwürdig, dass ausgerechnet die Partei, die in ihrem Wahlprogramm ein Jahrzehnt der Gleichstellung einfordert, jetzt offenbar überwiegend Männer in die höchsten Staatsämter schicken will“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Ähnlich hatte sich bereits die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen geäußert. Zuvor hatte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans den bisherigen Fraktionschef Rolf Mützenich für das Amt ins Spiel gebracht. Damit wären jedoch mit dem möglichen Kanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die drei ranghöchsten politischen Posten mit Männern besetzt.
Am Dienstag soll das Bundestagspräsidium neu gewählt werden. Um einen Posten darin bewirbt sich erneut die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die zuletzt Bundestagsvizepräsidentin war. Vizepräsidenten leiten etwa die Sitzungen des Plenums.
Der SPD steht es als stärkste Fraktion zu, das Amt des Bundestagspräsidenten zu besetzen. Zwar liegt die Frauenquote bei 42 Prozent. Viele sind aber gerade erst ins Parlament eingezogen und unter den Erfahrenen drängt sich keine Frau für den Posten auf. Findet die SPD keine Bundestagspräsidentin, könnte sich das auf die Besetzung der anderen Verfassungsorgane auswirken. Schon länger wird etwa spekuliert, Steinmeier könne dann zugunsten der Grünen Katrin Göring-Eckardt auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident verzichten müssen.