MIKE SCHIER
Die Pandemie hatte sich aus dem Bewusstsein schon fast verabschiedet – jetzt kehrt Corona plötzlich zurück. Ein positiv getesteter Bayern-Trainer, ein Ausbruch im Landtag, stark steigende Zahlen, nicht zuletzt in Oberbayern. Das kann man mit Sorge beobachten, Grund zur Panik ist es nicht. Vielmehr tritt jetzt genau das ein, wovor die Experten für Herbst immer gewarnt hatten: eine weitere Welle, die unter den noch immer zu vielen Ungeimpften letztlich jene Herdenimmunität herstellt, die für ein Ende der Pandemie im kommenden Jahr nötig ist.
Nach mehr als eineinhalb Jahren Corona muss man mehr denn je differenzieren: Infektion ist nicht gleich Infektion. Bei vielen Erkrankten handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die sich der Krankheit wesentlich besser erwehren können als die alten Menschen im vergangenen Winter. Und auch wenn es Berichte über Impfdurchbrüche gibt, gilt es zu bedenken, dass die Verläufe immer deutlich glimpflicher sind als ohne Vakzin. Es ist wie bei einem Autounfall: Auch mit Gurt und Airbag lassen sich Verletzungen und Todesfälle nicht komplett vermeiden. Aber ohne wären die Folgen selbst bei vermeintlich kleinen Blechschäden oft dramatisch. In Rumänien – Impfquote nur ca. 30 Prozent – starben am Dienstag 574 Menschen, mehr als im ganzen Rest der EU.
Deutschland steht dank ordentlicher bis guter Impfquote besser da. Vorsicht bleibt trotzdem geboten, wie der Blick nach Großbritannien zeigt. Zumindest an Orten, die Menschen nicht meiden können (Supermärkte, ÖPNV), dürfte die Maskenpflicht noch etwas bleiben.
Mike.Schier@ovb.net