Wechsel in NRW

Laschets letzter Dienst

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Im Scheitern zeigt Armin Laschet die Größe, die er beim Kandidieren gebraucht hätte. Seit sich der glücklose Kanzlerkandidat zum Rückzug bereit erklärt hat, tritt er wie verwandelt auf. Hält gute Reden, erkennt und benennt Fehler, bewegt seine Parteifreunde. Hinzu kommt: Politik und Medien haben die seltsame Art, Gescheiterte ab dem Moment ihrer Rücktrittsankündigung in mild-leuchtendes Abendlicht zu tauchen. Plötzlich kann sich Laschet kaum mehr retten vor Respektbekundungen von Freund und Feind. Ja, das ist ein bisschen verlogen, denn nach wie vor ist jedem klar: Hätte er nur ein bisschen früher auf Ratschläge gehört, wäre die Union nun knapp stärkste Kraft und in einer komplett anderen Lage.

Was Laschet richtig erkennt: Er besitzt im Abgang einen Rest Gestaltungskraft, nutzt sie konstruktiv. Wenn er die Nachfolgesuche moderiert, sie jedenfalls nicht mit eigenen Befindlichkeiten belastet, dient er der CDU. Und das auch in seiner Heimat NRW. Hendrik Wüst übernimmt bei verheerenden Umfragewerten, zehn Punkte hinter der SPD. Die Landtagswahl im Mai ist auch für Laschet, dann wohl Hinterbänkler im Bundestag, noch wichtig. Kanzlerkandidatur vergeigt, Kanzleramt verloren, Parteivorsitz ramponiert und noch im größten Bundesland einen Scherbenhaufen hinterlassen – das ist eine Bilanz im Geschichtsbuch, die auch Laschet nicht gerecht würde.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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