„Der soll sich halt impfen lassen!“

von Redaktion

München/Berlin – Bayern-Spieler Joshua Kimmich hat mit seiner Aussage, sich wegen möglicher Spätfolgen nicht impfen zu lassen, für Aufregung gesorgt. Wir sprachen mit Professor Dr. Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin über Folgeschäden durch eine Covid-19-Impfung.

Herr Ulrichs, wie schätzen Sie das Risiko von Spätfolgen der Impfungen ein?

Man kann das nicht komplett ausschließen, aber es ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Bei den Impfstoffen für Diphterie, Masern oder Tetanus treten Nebenwirkungen wenn überhaupt eher in Wochen und Monaten auf. Diese Zeit haben wir bei den Impfstoffen für Corona schon längst hinter uns. Sowohl mRNA- als auch Vektorimpfstoffe gegen Covid-19 greifen aber im Vergleich weitaus weniger in den Körper ein, als die konventionellen Impfstoffe.

Besteht eine Gefahr für Fertilität und Schwangerschaft?

Genau das Gegenteil ist der Fall und das kann ich ganz eindeutig beantworten. In der Schwangerschaft erhält bei einer Impfung auch das Kind einen Leih-Antikörperschutz. Es gibt keine Wechselwirkungen mit dem Impfstoff, auch was das Thema Fruchtbarkeit angeht.

Wie lange ist der Impfstoff eigentlich im Körper?

Überhaupt nicht lange, gerade bei den sogenannten mRNA-Typen viel kürzer als bei den konventionellen Impfstoffen. Das funktioniert so: Der Bauplan für die Virusbestandteile wird im Körper von den eigenen Zellen abgelesen und dann wird der Produktionsprozess gestoppt und der Bauplan sozusagen abgeheftet. Das Immunsystem hat aber an den Produkten gelernt. Wenn dann tatsächlich das Virus kommt, erinnert sich das Immunsystem daran und kann es effektiv bekämpfen.

Immer wieder heißt es, mRNA würde in die DNA eingreifen.

Das ist eindeutig nicht der Fall. Das Virus selbst greift bei Erkrankten direkt in die DNA ein und kapert die genetische Steuerung. Ein Impfstoff liefert lediglich eine Etage darunter den Bauplan für die Produktion von Virusbestandteilen.

Gab es denn überhaupt mal einen Impfstoff, bei dem sich langfristig Nebenwirkungen herausgestellt haben?

Nein, auch das Thema Autismus als Folge einer Impfung geistert immer noch herum. Es gab einige Studien dazu, aber mittlerweile konnte man entlarven, dass diese nicht mit entsprechenden Daten unterfüttert sind und größtenteils zurückgezogen wurden. Es ist schade, wenn das auch heute immer noch in die Diskussion eingebracht wird. Beim Impfstoff gegen die Schweinegrippe hieß es, er habe Narkolepsie, also Schlafattacken, ausgelöst. Hier muss man vorsichtig sein, weil Narkolepsie als Diagnose sehr schwer zu fassen ist. Aus meiner Sicht entbehrt ein Zusammenhang jeder Grundlage.

Auch an den Contergan-Skandal denken viele Menschen. Warum können Sie diesmal den Covid-19-Impfstoffen trauen?

Was wir gerade erleben, ist eine Revolution bei der Impfstofftechnologie. Gerade mit mRNA haben wir ganz neue Möglichkeiten. Das ist fast wie beim Elektroauto, während Tot-Impfstoffe noch eher zur Technologie der Verbrenner zählen. Zum Thema Contergan: Impfstoffe haben im Vergleich zu Medikamenten viel strengere Kriterien bei der Zulassung. Damals wurde viel versäumt und das war fatal. Aber es lässt sich nicht vergleichen. Inzwischen haben wir auch für für Covid-19-Impfstoffe sehr gute Daten.

Was würden Sie Joshua Kimmich sagen?

Der Junge soll sich halt impfen lassen! (lacht) Es gibt kein stichhaltiges Argument gegen eine Impfung.

Interview: Heidi Geyer

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