Chinas globaler Machtanspruch zeigt sich nicht nur in wirtschaftlichen Großprojekten wie der Seidenstraße oder dem militärischen Säbelrasseln gegenüber Taiwan. Nein, unter seinem Präsidenten Xi Jinping versucht das Reich der Mitte, auf allen Kanälen offensiv in die Welt zu wirken – auch auf kulturellem Gebiet. Die Konfuzius-Institute sind ein Vehikel dazu. Der aktuelle Skandal um eine Buch-Lesung legt diese Strategie offen.
Die Autoren Stefan Aust und Adrian Geiges haben eine Biografie geschrieben. „Xi Jingping – der mächtigste Mann der Welt“. Das Werk ist keine Abrechnung oder skandalträchtige Enthüllungsstory über Pekings starken Mann. Doch allein der profane Umstand, dass der Nachfolger in den Fußstapfen Maos als Mensch und Politiker kritisch porträtiert wird, ist für die Kommunistische Partei Anlass genug, ein Veto einzulegen und die öffentliche Vorstellung und Lesung des Buchs in ihren Konfuzius-Instituten zu verbieten. Diese Institute sind nämlich eine staatliche Bildungsinstitution, die dem Pekinger Ministerium für Bildung unterstellt sind. Da ist kultische Heldenverehrung Xi Jinpings angesagt – nicht westliche Freiheit von Forschung und Lehre.
Gut, dass sich die Universität Duisburg nicht hat stoppen lassen und die Buchlesung nun über ihr Ostasien-Institut durchführt. Der Imageschaden für China bleibt.
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