Wenn in den vergangenen Wochen und Monaten über Münchens Komödie im Bayerischen Hof geredet wurde, ging es in den seltensten Fällen um die Inszenierungen. Die Diskussionen drehten sich um Thomas Pekny, den bisherigen Chef der Boulevardbühne, der sich vor Gericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs verantworten musste. Pekny wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen; die Staatsanwaltschaft verzichtete – entgegen einer ersten Ankündigung – auf Revision. Dennoch ist das Theater enorm beschädigt.
Deshalb ist es richtig, dass René Heinersdorff gestern Abend in einem Notariat in Düsseldorf Mehrheitseigner der Privatbühne wurde. Denn erst jetzt kann der notwendige Neustart des Hauses am Promenadeplatz glücken. Heinersdorff ist durch diese Entscheidung nun nicht in die Rolle des Unbescholtenen gedrängt, der für die saubere Außenwirkung sorgen muss, derweil sich an den tatsächlichen Machtverhältnissen nichts ändert. Nein, Heinersdorff ist von heute an das Gesicht von Münchens Komödie und für diese verantwortlich.
Dass er inhaltlich zunächst auf die Arbeit seines Vorgängers angewiesen ist, liegt auf der Hand: Der Spielplan steht. Spätestens, wenn der neue Chef seine Vorhaben für die Saison 2022/23 vorstellt, wird man erkennen, wohin er das Haus, sein Haus, auch künstlerisch steuern will.
Michael.Schleicher@ovb.net