Lars Klingbeil wird Parteichef

Das moderne Gesicht der SPD

von Redaktion

ALEXANDER WEBER

Zunächst gilt es um der Wahrheit willen festzustellen, dass die Unionsparteien in ihrer Selbstzerstörung die Bundestagswahl weit eher verloren haben, als dass man bei der SPD mit ihren 25 Prozent von einem glanzvollen Sieg sprechen könnte. Aber ein Verdienst dürfen die Sozialdemokraten ihrem Wahlkampfmanager Lars Klingbeil hoch anrechnen: Er hat die Schlacht ums Kanzleramt trotz schwieriger Ausgangslage glänzend orchestriert und die Sollbruchstelle zwischen dem Kanzlerkandidaten der Mitte und der deutlich links gestrickten SPD-Parteiführung erfolgreich überbrückt. Diese politische Fortüne kann der bisherige Generalsekretär in seinem neuen Amt gut gebrauchen.

Der 43-Jährige verleiht der alten Tante SPD ein jüngeres, moderneres und bunteres Antlitz und macht damit viel vom eher kratzbürstigen, linksideologischen Profil der Co-Vorsitzenden Saskia Esken wett. Diese Spannung zwischen linksflügeliger Partei-Seele und harter Kanzleramts-Ratio wird es in den kommenden Ampel-Regierungsjahren vermutlich häufiger geben. Da wird Klingbeil seine Vermittlungskünste immer wieder an den Mann und die Frau bringen müssen. Schafft er das, rückt der künftige Parteivorsitzende automatisch in die Pole-Position für höchste Ämter auch in der Regierung.

Hand aufs Herz: Wer hätte der SPD noch vor einem Jahr eine solch rosige Perspektive für das nächste Jahrzehnt zugetraut?

Alexander.Weber@ovb.net

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