Merkel-Lager will Merz stoppen

Das letzte Aufgebot

von Redaktion

GEORG ANASTASIADIS

Man hat in der CDU schon Netteres gehört über einen, der neuer Chef der Bundespartei werden will. Ein Narkosearzt sei so ziemlich das Letzte, was die scheintote Partei jetzt brauche, ätzt der konservative Parteiflügel über die Kandidatur von Merkels Kanzleramtsminister Helge Braun. Einen „Laschet aus Hessen“ nennt ihn eine große bürgerliche Zeitung. Richtig daran ist, dass Braun, nach Kramp-Karrenbauer und eben Laschet, das letzte Aufgebot des Merkel-Lagers zur Verhinderung von Friedrich Merz ist. Den wiederum nennen die Merkel-Unterstützer einen „Spalter“.

Die Härte, mit der in der CDU übereinander geurteilt wird, zeigt, wie brutal und eng die Richtungsentscheidung ist, vor der die Partei nun steht: Merz steht für den Neuanfang in der Opposition und den Bruch mit der Ära Merkel, Braun für deren Fortsetzung, nur eben ohne Merkel. Ob das gelingen kann, ist allerdings zweifelhaft: Braun ist nach etlichen Jahren im Amt weitgehend unbekannt, in der Corona-Politik wirkte er oft überfordert, seinen Wahlkreis hat er verloren. Der 49-Jährige ist thematisch ähnlich konturlos wie Merkel, doch fehlt ihm deren Popularität. Aus eigener Kraft wird er verlorene Unionswähler nicht zurückgewinnen können (doch er verschreckt sie auch nicht für den Fall, dass die Ampel rasch im Stimmungsloch versinkt und Wähler eine neue Heimat suchen). Klarheit haben einstweilen nur die Hessen: Mit Brauns offizieller Nominierung weiß die Hessen-CDU jetzt, wen sich Ministerpräsident Bouffier als Nachfolger für sich selbst wünscht.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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